Donnerstag, 13. September 2012

Ich suche mir diese Bilder nicht aus

Die Trübnis weicht. Fortgeschoben von einer bleichen Sonne, aber immerhin. Ich also raus, obwohl noch müde. Die kühle Luft ist frisch auf der Haut und den Augäpfeln. Im Park ist heute viel Krach. Der runde Brunnen wird gesäubert und nasse Blätter aus dem Teichzufluss geholt. Da muss ich schnell vorbei und mir einen ruhigeren Seitenpfad suchen. Ich lenke meine Schritte in Richtung Betonpavillon. Der schöne schlichte Bau ist schon seit einem halben Jahr eingerüstet, was das Bild stört. Jedes Mal. 




Ich will eigentlich keine Störung. Ich will noch ein wenig meinen Gedanken nachhängen, die um eine  Buchpräsentation am gestrigen Abend in Frankfurt schweifen. "Zwölfender" von Britta Schröder. Ein schmales Buch, dessen Titel mir vor kurzem schon aufgefallen war durch den ungewöhnlichen Titel selbst und die Gestaltung des Covers, einer Nahaufnahme von Waldmoos. Die überraschende Struktur davon, wie kleine Tannenbäumchen, hat mich immer fasziniert und so machte mich das Bild auch neugierig auf das Buch. 

Es geht um eine junge Frau, der ihr eigenes Leben plötzlich fremd wird und die sich im Laufe des Buches schließlich von allem befreit. Sie reist dafür in die trockenste Wüste der Welt. Auf ihrem Weg dorthin beobachtet sie sich selbst, ihren Körper, ihre Gedanken, ihre Träume ganz genau und beschreibt das minutiös und dabei trotzdem fesselnd. 

Ich lauschte Worten wie "Tankstellen-Blumen" und "Lichtung" und Beschreibungen, die sich zu überraschenden Bildern zusammenfügten und fühlte mich auf seltsame Weise angezogen. Es war sehr schön anzusehen, was die Worte und Bilder während der Lesung mit den Gesichtern der Menschen machten. Nach der Lesung blätterte ich in das Buch hinein und mir gefiel sofort, wie es beginnt, mit einer ganz körperhaften Beschreibung, die einen sofort Seite an Seite mit der Protagonistin in das Buch hineingehen lässt. Ein schöner Satz heute Morgen: "Ich suche mir diese Bilder nicht aus. Sie sind in meinem Kopf". Leider musste ich das Buch dann aus der Hand legen. 

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