Montag, 28. April 2014

Chinesischer Garten Frankfurt: Eine kleine Fernwehoase

Ein Sonntag, an dem es warm ist und leicht nieselt, bietet genau die richtigen Voraussetzungen für einen Ausflug in den Chinesischen Garten. 


Schon wenige Schritte hinter dem Eingang in der Berger Straße fühlt man sich in eine komplett andere Welt versetzt. Prachtvolle Farne und Azaleen in allen Regenbogenfarben säumen den Weg (jedenfalls im April) - und bei etwas Feuchtigkeit herrscht eine nahezu tropische Atmosphäre. 


Beim Anblick der entzückenden chinesischen Brücke mit kleinen fernöstlichen Monsterchen auf den Pfeilern und grünen Löwenköpfen am Tor fühlte ich mich sofort versetzt in das reizende Städtchen Hoi-Anh in der Mitte Vietnams. 
http://de.wikipedia.org/wiki/Garten_des_Himmlischen_Friedens







Es war interessant zu beobachten, dass sich auch viele Asiaten im Park tummelten, um beispielsweise rosaregenbenetzte Pfingstrosenblüten zu fotografieren. Der Garten scheint also so authentisch, dass er ihnen ein klein wenig Heimat in Frankfurt ist. Für mich dagegen war die üppige Pflanzen- und Blütenwelt aus der immer wieder ein Teehaus, ein Tempelchen oder ein weiteres Tor herauszuwachsen scheint eine kleine exotische Oase, in der man für einen Nachmittag sein Fernweh stillen kann. Ich nehme mir vor, einmal mit Schreibutensilien und Picknickkorb an einem ganz normalen Werktag herzukommen. 




Gestern fand ich beim Herausgehen aus dem Park zufällig ins Café Ypsilon, wo ich schon ungefähr seit zwanzig Jahren nicht mehr gewesen war. Kaffee und Kuchen lockten hinein und es wurde nicht zuviel versprochen. Die Atmosphäre ist angenehm unschick (liebevoll abgenutzte Sitzkissen, halbdunkel, kleine Bilderglerie an der Wand und antike Jugendstillampe an der Decke) und zu meiner Überraschung gibt es hier neben der sehr luftigleckeren Käsesahnetorte auch Wiener Kaffeespezialitäten. Ich bestellte also eine Melange und fühlte mich kurz neben Hoi-Anh auch nach Wien versetzt. Insgesamt ein wunderbar leicht vergessenes Stückchen Frankfurt, das ich bestimmt öfter besuchen werde. http://www.y-buchladen.de/café/



   


Donnerstag, 24. April 2014

Welttag des Buches: Im Fenster zwischen Büchern und Handtaschen

Gestern hatte ich ein sehr schönes Stadterlebnis in der eigenen Stadt und das kam durch den Welttag des Buches. Diesen konnte ich in diesem Jahr sowohl als Zuhörerin wie auch als Vorleserin gestalten. Um kurz vor zwölf kam ich mit den Kollegen der Autorengruppe "Literatur zur Werkzeit" im Buchladen am Markt an http://www.buchladenammarkt.de. Im Schaufenster auf kleiner Empore stand ein schöner weißer Sessel. Er würde eines jeden Leseplatz sein. Die Buchhandlung war Licht durchflutet und bald auch durchflutet auch von einer ansehnlichen Gruppe Lauschwilliger. Nach einem wilden Tripp in der Kalesche mit Katharina Eismann, fernwehschönen Gedichten von Gisela Wölbert, poetischen Frühlingsironien von Johann Kneißl und einem Romanausschnitt von Leo Pinkerton las ich dort den ersten Teil meiner Erzählung "Das Etui". Es gefiel mir, wieder einzutauchen in diese fiktive Zugfahrt, die so gut zum luftiglockeren Vormai passt. Und es folgten uns tatsächlich gespannte Zuhörer Richtung Koffer Roth http://www.koffer-roth.de, wo es weiterging. Diesmal durfte ich zwischen der neusten Sommertaschenkollektion in einem bequemen Fauteuil Platz nehmen. Gefährlich natürlich, wie leicht könnte da die Hand zum Taschenkauf ausrutschen. Zumal wir Damen vom Geschäftsführer persönlich noch mit weißen Rosen gewürdigt wurden. Ich fand es super spannend, der Melodie der eigenen Worte über den Marktplatz zu folgen und durch die Fensterscheibe zu sehen, wie das Gelesene wirkte. 




Nach einer mittäglichen Stärkung in der griechischen Taverne am Wilhelmsplatz ging es dann mit einem frischen Text, den noch niemand gehört hatte, in die Frankfurter Straße zum Café Don Pedro. Dort traf ich meine Mitleserinnen Leo Pinkerton und Sylvia Beiser von der Stadtbibliothek . Leo las aus ihrem Romandebüt, Frau Beiser einen Text über den Stadtschreiberpreis. Wir saßen dazu auf einem marokkanisch anmutenden halbrunden Holzbänkchen in fast gleißendem Nachmittagslicht und es war interessant zu sehen, wie auch unbedarfte Passanten ihre Schritte verlangsamten, ein paar Worte im Gehen aufschnappten. 

Danach ging ich als Zuhörerin weiter durch die Stadt, deren Straßen bis zum Abend durchflattert wurden von schönen Worten und bevölkert von Buchstabensüchtigen. Zufällig vernahm ich vor der Steinmetz'schen Buchhandlung http://www.steinmetz-buch.de ironisch schöne und zeitweise schmerzvoll dahintropfende Poesie von Safiye Can. Natürlich musste der frisch ausgepackte Gedichtband "Rose & Nachtigall" von ihr in meine Hände übergehen. http://www.groessenwahn-verlag.de



Mit den letzten Sonnenstrahlen traf ich in der Stadtbibliothek ein, wo ich dem sanft spanisch eingetöntem Deutsch von Rosa Ribas folgte und ihren Ausführungen darüber lauschte, warum ihre in Frankfurt spielenden Krimis auch in Spanien erfolgreich seien. Man erhalte durch sie ein kleines messerscharfes Abbild einer anderen Gesellschaft, einer anderen Kultur. Ja, da stimmt wohl, dachte ich und nahm mir den Krimi "Kalter Main" mit, der mich ja vielleicht mit den Gepflogenheiten auf der anderen Mainseite vertrauter machen kann...(das schreibe ich natürlich mit einem klitzekleinen Augenzwinkern...)









Freitag, 11. April 2014

Fotoausstellung DWD: Der befremdliche Blick hinter die schönen Kulissen

Gestern besuchte ich die Eröffnung einer sehr besonderen Fotoausstellung. Allein der Titel "Palermo, Olhao und die geografische Breite" sagte mir noch nicht viel. Jedoch, das Stichwort "Palermo" lockte mich schon, denn Palermo hatte mich im letzten Oktober wieder nachhaltig beeindruckt. Die Farben der Stadt und ihre Muster. Das war mir wieder auf den großen Straßenmärkten aufgefallen, besonders als sich gegen Mittag ein Gewitter entlud und ich und meine beiden Freundinnen im Inneren eines schmucklosen Marktlokales in Ruhe unsere Studien betreiben konnten. Wir saßen buchstäblich hinter den schönen Kulissen der Stadt fest.




Diese kleine Szene aus dem letzten Jahr kam mir schlagartig wieder zu Bewusstsein als ich in den schön marmorierten Flur des Deutschen Wetterdienstes betrat und auf die erste Fotografie der Bildkünstlerin Gabrielle Strijewski. Rot ist der geflickte Himmel aus Planen über den Märkten Palermos. Ein chaotisches Segeldach aus Planen, Schirmen, Seilen, italienischen Wortfetzen, Stangen, Lappen, Gardinen und den typischen Glühbirnen - die am frühen Morgen oder eben bei Gewitter Licht auf die frische Ware werfen. Es sind ganz und gar keine touristischen Motive, die die Fotografin in ihren Aufnahmen beschwört. Es sind die Muster einer Stadt, die im Detail abstrakt wirken, uns an kubistische oder surrealistische Kompositionen erinnern und uns zeigen, wo solche Motive vielleicht herkommen. 



Die folgenden Fotos, die im langen Flur wieder nach Palermo führen, zeigen sehr gegensätzlich die hellblau schlagschattige Dächerwelt der portugiesischen Kleinstadt Olhao. Wie Skulpturen werden darauf Schornsteine, Antennen, Vordächer, Satellitenschüsseln und Wassersilos der portugiesischen Dachlandschaften in Szene gesetzt. 




Wenn ich aus meinem Bürofenster in der Kaiserstraße über die Dächer Offenbachs blicke, entdecke ich Ähnlichkeiten und empfinde Offenbach einmal mehr als eine sehr südliche Stadt. 


Die Ausstellung im DWD öffnet den Blick und lässt das vermeintlich Hässliche heraustreten aus seiner Unscheinbarkeit - es entsteht im Auge des Betrachters das Muster einer Stadt. Unbedingt ansehen. Läuft noch bis zum 11. Mai 2014 http://www.dwd.de/kunst





Montag, 7. April 2014

Das Möbel: Cooles Konzeptkaffeehaus in der Wiener Burggasse

Gleich um die Ecke des kleinen St. Ulrichplatzes, wo ich wieder mein Quartier in Wien bezogen hatte, auf der Burggasse, gibt es eine moderne Café-Bar, die eigentlich ein Möbelhaus ist oder beides. "Das Möbel" http://dasmoebel.at/cafe/dascafe diente uns am Abend als letzte Haltestelle für einen Absacker und morgens als Reinsacker in einen regnerisch kühlen Museumstag im Belvedere. 

Man sitzt dort sehr bequem zwischen Designermöbeln, erdacht und gemacht von Österreichern und Deutschen, kann schwelgen in originellen Farben und Formen, lümmeln in coolen Sofas und kippeln auf eleganten Barhockern, Lampen bewundern, Gin-Tonic trinken oder ein kleines stilvolles Sektfrühstück zu sich nehmen. Unnötig zu sagen, dass es auch Topfenstrudel gibt.








Bei diesen Gelegenheiten taten es mir sogleich ein Couchtisch und sein kleiner Beistellbruder in gelb und rosa an. Beide erinnern auf frische Weise ans Zeitalter der Nierentische. Da kommt kein Wirtschaftswunder-mief auf, sondern eher Leichtigkeit und Eleganz. Fragile Möbel sind das, die sich auch in kleine Wohnungen gut einfügen, sie luftig-leicht bevölkern und gleichzeitig ein wenig Retroromantik aufkommen lassen. 

Schade, dass man im Flieger sowas nicht mitnehmen kann. Das fand ich übrigens bei so einigen Dingen. Aber, das nette Team im Ladengeschäft http://dasmoebel.at zum gleichnamigen Café, dass sich auf der shoppingmäßig ziemlich interessant gewordenen Gumpendorfer Straße befindet, verspricht auch da eine Möglichkeit zu finden. Charmant, Küss' d'Hand!

Übrigens fände ich es ebenso charmant, wenn sich Betreiber für eine ähnliche Einrichtung made in Offenbach fänden. Wie vergnüglich und ebenso marktfördernd könnte es sein, wenn wir in einem Offenbacher Kaffeehaus beispielsweise die einzigartigen Möbel von Sebastian Herkner bewundern und bewohnen dürften. Bis es soweit ist, kann man ja in der Geleitsstraße 81 klingeln. http://sebastianherkner.com/index.php?article_id=5

Donnerstag, 13. März 2014

Vom Frühling beflügelt

Gestern war mal wieder Mittwoch und mittwochs treffen sich die Autoren unserer Gruppe "Autoren unterwegs in Offenbach" schon morgens, um die nächsten Lesetermine zu planen. Doch dieser Mittwoch war besonders: Im Blau der Morgenluft wanderte ich mit leuchtend orangenem Schal in die Domstraße und wurde kurz vor den hohen Fenstern der Etagerie von Johann überholt, der vom Unternehmerfrühstück im Achat Hotel angeradelt kam. 

Auch Gisela war mit dem Rad von Frankfurt herübergekommen und stand berauscht von CO2 mit Katharina beim Plausch, die zur Feier des Tages ihr Haar mit einem grünen Band zusammenhielt. Voll Temperament und Tatendrang zur  Hintertür hereingepoltert, wackelte die eben noch winterlich gestimmte Grünpflanze von ihrem Tischlein im Flur. Eine grüne Schaufel fanden wir in der Küche und Katharina bewies, dass Autoren auch mit den Händen arbeiten können. Johann brachte derweil zischend die Kaffeemaschine in Gang, als Leo im gelben Shirt hereingeflattert kam, ganz aufgeregt über die bevorstehende Veröffentlichung ihres Romans. 


In gleißendem Licht leuchteten lautmalerisch Worte, formten sich Texte und Ideen für die nächste Lesung am Welttag des Buches.http://www.welttag-des-buches.de Ein Gleichnis, in dem ein Koffer eine Rolle spielt, eine Geschichte, in dem ein Mädchen im Fenster sitzt und sich sehnlichst das Buch von Bibby und dem blauen Schweinchen wünscht und Gedichte, die mit dem Frühling kokettierten. Plötzlich segelten von Katharina in die Luft gewirbelt ein paar korallenrote Federn auf meine Zeilen, die festhielten, welche Schritte für die geplante Anthologie folgen sollten. Und vielleicht beflügeln sie unser Projekt.




Dienstag, 25. Februar 2014

Im Kunstwerk

Ich kannte die Raumkonzepte von Tobias Rehberger aus Pop-up-Restaurants wie der Degussa-Kantine oder dem Museum für Moderne Kunst. Vielleicht gerade deshalb hatte ich eigentlich keine Vorstellung davon, was ich von der Ausstellung in der Frankfurter Schirn http://www.schirn.de zu erwarten hätte. Der Einladungs-Flyer, den mir eine Freundin zum Geburtstag überreichte, flimmerte vielversprechend in schwarzweiß und gab so einen vagen Hinweis, dass es sich nicht um zweidimensionale Kunstwerke handeln würde. 

Die Spannung jedenfalls war während der Eröffnungsansprachen im Publikum merklich zu spüren. Die Menschen standen kaum still, konnten es nicht erwarten, bis das letzte Wort verhallt war und sich die Türen zur Ausstellung öffneten. Ein Satz von Herrn Hollein über die Kunst als Erfahrung blieb mir im Kopf. Und die Überraschung war sichtbar gelungen. Kaum im Raum, ging ein Lächeln durch die Menge und wirklich jeder und jede zückte sein Smartphone und knipste sich selbst im Spiegel des schwarzweißen Irrgartens. Es war schon interessant zu sehen, wie das Spiel mit der Wahrnehmung die Besucher sichtlich begeisterte und direkt fröhlich stimmte. Gut gelaunt strömten die Massen durchs Schwarzweiß des ersten Raums und viele sahen so aus, als hätten sie sich genau für diese Raumerfahrung gekleidet, um selbst einmal ein kleines Kunstwerk im Kunstwerk zu sein.




Ganz im Gegensatz zum ersten Raum war der zweite Raum weiß und hoch wie eine Kathedrale des Lichts. Neugierig und geradezu gut gelaunt schlenderten die Kunstliebhaber nun an originellen Blumenvasen vorbei, die Künstlerkollegen von Rehberger darstellen. Entzückt blieben besonders Damen vor den Sträußen stehen und fragten sich, was wohl mit Ihnen bis im Mai passieren würde. Verwelkte Kunstwerke? Um das zu erfahren müsste man wohl noch einmal in die Ausstellung gehen und das sollte man auch - dient auf jeden Fall der Bewusstseinserweiterung über moderne Bildhauerei und macht Spaß. 


 

Samstag, 25. Januar 2014

Griechischer Bergtee und polnische Himbeertorte

In den letzten Wochen führt mich mein Weg häufiger von der Kaiserstraße in die Domstraße. Kurz bevor man die Berliner überquert, liegt links die Bahnhofsstraße. Sie schein hinter einem Parkdeck in Vergessenheit geraten, obwohl von teils schönen alten Häusern gesäumt, führt sie hier ein Dasein im Verborgenen. 

Einst war ich häufiger hier. Aber das ist eine halbe Ewigkeit her. Damals ging man noch "jugoslawisch" essen im hier gelegenen "Dubrovnik". Es war die Zeit der Grillteller und des "lustigen Bosniaken" (so wurde ein Fleischspieß auf der Karte des Restaurants genannt). So eine Bezeichnung würde nach dem Lauf der Geschichte Befremden bei den Gästen hervorrufen. 

Heute zwingt mich ein kleines Schaufester etwas weiter vorn zum Stehenbleiben. Da sind sie wieder: Die Barbiepuppen- und Fußballtorten. Solche hatte ich vor ein paar Jahren in der Geleitsstraße bewundert. Damals in einem türkischen Café. Hier, in der Bahnhofstraße, finden sich an der linken Fensterscheibe ein paar griechische Schriftzeichen, an den Auslagen polnische Bezeichnungen und auch der Name über dem Eingang "Café Saumon" verrät mir die Herkunft nicht so recht. Eine Türkin Frau mit Kinderwagen, die mich darum bittet kurz auf ihren Sprössling aufzupassen, verrät mir, dass es hier die besten Kreppel gebe. Ich unterhalte mich mit ihr über Cafés und sie lobt das neue "Mein Lieblingsplatz" in der Frankfurter Straße und die "Etagerie" https://www.facebook.com/Etagerie. Beides sehr liebevoll eingerichtete und geführte Institutionen. Wir verabschieden uns und ich betrete das Café "Saumon". http://www.cafe-saumon.de/




Der Anblick der Kuchentheke lässt mein Herz höher schlagen: Da stehen Käsekuchen, Himbeer- und Bananen-Schoko-Torte auf der rechten Seite. Links gibt es viel selbstgefertigtes Gebäck. Die meisten Bezeichnungen erscheinen mir polnisch. Aber die Inneneinrichtung wirkt mit den bunten Holzmöbeln und weißen Tischdecken, eher mediterran, erinnert mich an ein Café in Istanbul. Ich nehme auf einem der grünen Holzbänkchen, die liebevoll mit weißen Deckchen ausgelegt sind, Platz. 
Eine gerade noch junge, schlanke, hellblonde Frau kommt auf mich zu. Sie zählt mir Teesorten auf, darunter auch Bergtee, für den ich mich entscheide. Er kommt in einem kleinen blau emaillierten Kännchen, was ich sehr nett finde im Gegensatz zu manchmal halbvollen Teegläsern, die man anderswo bekommt.




Ich sehe mir die Torten an, wähle "Malinowe Fale" (Himbeer-Schoko) und frage die blonde Frau, wie es kommt, dass sie griechische und polnische Spezialitäten in Kombination anbieten. Sie erklärt, der frühere Betreiber des Café sei Grieche gewesen. Einige Gebäckstücke und der Bergtee waren sehr beliebt. "So haben wir neben den polnischen Torten Bergtee und Baklava beibehalten". 

Ich schreibe ein paar Zeilen in mein Notizbuch. Inzwischen herrscht reger Verkehr in der kleinen Konditorei. Ein DHL-Mann türkischer Herkunft kommt herein, liefert sein Paket ab und kauft drei Stücke Bananenkuchen mit Vanille-Pudding und Schokoguss. Er gibt die Klinke zwei jungen Damen in die Hand. Zurechtgemacht und duftend stehen sie vor der Theke. In ihrem Dialog erkenne ich serbokroatische Worte. Sie fragen nach einer Kindertorte für den Geburtstag eines zweijährigen Mädchens. Erstmals kommt der junge Konditor aus der Backstube hervor. Er zeigt einen Schokokuchen, bietet freundlich an, ihn mit rosa Zuckerschrift, Püppchen und Kerzen für das Mädchen zu verzieren. Die Lösung gefällt, der Kuchen wird verwandelt, die Damen verlassen gut gelaunt die Konditorei. Ein Deutscher kommt herein und nimmt einen Quarkkuchen mit Kirschen mit. Draußen kläfft hell sein Hündchen. Der Bergtee schmeckt herrlich. Die zarte Himbeer-Schoko-Torte ist schon weg und ich muss zurück ins Büro. 

Draußen blicke ich nochmals am Eingang hoch und entdecke rechts davon ein schwarzes Blechschild. Es scheint alt zu sein und ein Schriftzug ist noch gut zu erkennen: "W. Gölz 1902-1962". Den Namen kenne ich gut. Mein Vater hat mir oft vom Bäcker Gölz erzählt, und dass er in der Bahnhofstraße seine Ausbildung zum Konditor gemacht hat. Papa hat dann später ins Kaufmännische gewechselt, denn mit Konditoreiwaren war es beschwerlich sein Geld zu verdienen. 

Und gerade deshalb freut es mich sehr, dass sich in diesem kleinen Laden in der Bahnhofstraße immer noch eine Konditorei befindet, mit offenbar regem Zulauf.