Donnerstag, 29. November 2018

Wie schreibt man relevante Inhalte für das Internet?

Ich befasse mich den ganzen Tag mit dem Schreiben von Texten und deshalb auch mit dem Thema Relevanz, denn schließlich möchte ich oder meine Kunden, dass diese Texte gelesen werden. Sei es nun im Internet, als Newsletter per E-Mail oder in gedruckter Form.

Es ist aber mitunter nicht einfach, herauszufinden, was überhaupt relevant ist. Also, was die Menschen interessiert, was sie lesen möchten über einer Thema und was sie schließlich mit Hilfe von Google suchen.

Suchmaschinenoptimierung kurz SEO war aus diesem Grund das Thema bei zwei Vorträgen innerhalb einer neuen Veranstaltungsreihe bei der Offenbacher Kreativwirtschafthttps://www.offenbach.de/wirtschaft/kreativwirtschaft/kreativwirtschaft.php Am 13. November ging es darum, Suchmaschinen und Besucher mit Vertrauen gewinnen und am 27. November darum, mit Relevanz Besucher und Suchmaschinen überzeugen. Dazu hatte die Internetagentur four for business  https://www.4fb.de eingeladen, die sich seit 1998 in diesem Bereich spezialisiert hat und in der schönen Heyne-Fabrik in Offenbach am Main logiert. Der Vortragende Christopher Gross ist dort Head of SEM (Search Engine Marketing) und als Informatiker mit zusätzlichem Psychologiestudium weiß er bestens Bescheid über die Suchmechanismen in unseren Köpfen und im Internet. Für mich als Texterin sind diese Vorgänge natürlich ebenso interessant und wichtig. 




Wie man im Internet Vertrauen schafft, darüber möchte ich hier nur wenige Worte verlieren, weil das als seriöse Texterin natürlich mein täglich Brot ist: Vertrauen schafft man über richtige und gute Informationen und nicht mit Fake, irgendwelchen Kniffen oder Worthülsen, bei denen keiner weiß, was eigentlich gemeint ist. Es ist Arbeit, sich mit einem Thema auseinanderzusetzen und gute Informationen bereitzustellen - und wenn die Zeit dazu fehlt, dann engagiert man einen erfahrenen Freelancer. Durch stichhaltige Informationen kann man Expertise im eigenen Thema zeigen - das schafft Vertrauen und am Ende Kunden.

Hier soll es hauptsächlich um Relevanz gehen, um Inhalte, die für Suchmaschinen und Suchende (wie wir alle) relevant sind. Denn das Internet ist voll von Daten und wir möchten die berühmte Stecknadel im Heuhaufen finden. Was aber sind relevante Inhalte? Um diese Frage zu beantworten sollten wir zunächst unser eigenes Suchverhalten beobachten und uns fragen, was wir selbst über ein bestimmtes Thema wissen möchten. Christopher Gross erklärte das sehr anschaulich am Beispiel von Bürotelefonen. Was sind deren Eigenschaften, deren Vorteile? Doch es geht es nicht allein um den Text. Eine eindeutige und passende Bildsprache ist ebenso wichtig, damit sich ein Besucher auf einer Webseite zurechtfindet. Und Bilder füttern natürlich das Verlangen nach Emotion, also den emotionalen Eigenschaften eines Produktes.

Eine wichtige Frage, die sich jeder am Anfang stellen sollte, ist: Wie kann ich dem Suchenden helfen? Die Beantwortung dieser Frage durch relevante Inhalte hilft nicht nur uns Nutzern. Auch Suchmaschinen wollen relevante, personalisierte und vertrauenswürdige Ergebnisse liefern. Sonst nämlich werden sie nicht genutzt und verschwinden von der Bildfläche, wie einige Suchmaschinen der Vergangenheit, die heute keiner mehr kennt. 

Unsere meistgenutzte Suchmaschine ist deshalb so erfolgreich, weil sie immer weiter entwickelt wird. Seit dem Hummingbird-Update kann Google Texte lesen und verstehen - also sollte man sich immer fragen, ob man das, was da auf der eigenen Webseite steht, auch selbst versteht. Dabei ist es auch entscheidend, einen interessanten Text bereitzustellen, der sich durch die Verwendung von Synonymen abwechslungsreich und gut liest. Denn Suchmaschinen mögen es gar nicht, wenn da immer wieder das gleiche Wort steht. Anhand des Inhalts versucht die Suchmaschine dann, eine Seite zu kategorisieren. Mit Hilfe unserer Daten erforscht Google Zielgruppen und fragt sich, was diese wollen, was deren Probleme sind - um ihnen das bestmögliche Ergebnis bereitzustellen. Eine ebenso einfache wie wirkungsvolle Methode, die Christopher Gross empfiehlt und selbst anwendet ist es, sein eigenes Produkt oder die eigene Dienstleistung, verbunden mit dem Standort, zu such und nachzusehen, was Google so ausspuckt. Außerdem gibt es auch einige nützliche Tools, mit denen man prüfen kann, wie relevant die eigenen Inhalten sind: So liefert "Ubersuggest" passende Keyword-Ideen, wenn man ein häufiges Suchwort eingibt. Weitere Hilfswerkzeuge sind Xovi und Sistrix https://seo-marketing.tools/seo-tool-vergleich/xovi-vs-sistrix-kampf-der-seo-tools-aus-deutschland/oder answerthepublic.com. Sie sind entweder kostenlos oder bieten eine zeitweise kostenlose Nutzung an. Hier mein spannendes Ergebnis auf die Frage nach "Text": https://answerthepublic.com/reports/3fb69ea2-e1d9-413d-af5e-b5d11bc5a407

Eine gute Hilfe, um einen relevanten Text zu erstellen, ist der sogenannte Elevator-Pitch, bei dem man in 30 Sekunden die wichtigsten Punkte, die ein Produkt oder Unternehmen ausmachen, aufzählen muss und dabei folgende Fragen beantwortet:

  • Wer ist unser Zielkunde?
  • Was ist sein Problem?
  • Wie heißt unsere Produkt (unsere Dienstleistung)?
  • Was ist der Hauptvorteil?
  • Wer sind unsere Wettbewerber?
  • Was macht unser Produkt oder unsere Dienstleistung einzigartig?
Die Idee für diese Kurzpräsentationen entstand übrigens während einer Fahrt mit dem Aufzug in New York City.

Bei der Beratung und Erstellung für suchmaschinenrelevante Webseiten hilft die 4fb Agentur gerne weiter, auch die beiden Vorträge werden gern zur Verfügung gestellt. Bei der Erstellung von relevanten Texten und Inhalten kann Walter Wortware kompetente Unterstützung bieten. Ansonsten darf man gespannt sein auf die weiteren Vorträge der Kreativwirtschaft Offenbach im nächsten Jahr.

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Frankfurter Buchmesse 2018 – Georgien hat mein Herz mit Poesie infiziert

Diese Infektion fing mit den Vorbereitungen für die 3. Offenbacher Lyriknacht an. Für den Frankfurter Größenwahn Verlag übernahm ich mit zwei Kolleginnen Katharina Eismann und Tamara Labas Teile der Öffentlichkeitsarbeit, die Moderation und Organisation der Veranstaltung im Raum des Kunstvereins Offenbach.

Chinkali, die leckeren Teigtaschen, eine Art Nationalgericht, waren mir auf meiner Reise in die Ukraine im September schon begegnet. Deshalb habe ich mich besonders gefreut, als ich in Frankfurt das georgische Restaurant Old Tiflis entdeckte und auch einen Weinhandel im Internet. Dort holten wir uns die notwendige sinnliche Inspiration zum Thema und erfuhren dabei, dass in Georgien sogar das Dichten nicht ohne das Kochen geht. Das sagt schon der Erzählungsband „Wahrsagen durch Marmelade“ von Diana Anfimiadi, der im Wieser-Verlag erschienen ist. https://www.wieser-verlag.com/buch/wahrsagen-durch-marmelade/

Diana Anfimiadi war auch Gast auf unserer Lyriknacht, neben Eka Kevanishvili, Zaza Bibilashvili, Kato Javakhishvili und Tea Topuria. Neben diesen georgischen Autoren, die allesamt sehr engagiert schreiben und verschiedentlich für ihre Arbeiten ausgezeichnet wurden, waren auch noch vier deutsche Dichter und eben wir vom Größenwahn Verlag unter den Vortragenden. Zu unserer großen Erleichterung und dem Vergnügen der Zuhörerin war die Übersetzerin des Lyrikbands „Gorgiens Herz ist mit Poesie infiziert“ (Größenwahn Verlag 2018) Nana Tchigladze ebenfalls anwesend. Herausgeber ist der bekannte Dichter, Übersetzer und Orientalist Giorgi Lobzhanidze. http://groessenwahn-verlag.de/produkt/georgiens-herz/

Den gesamten September und Oktober stimmten wir uns außerdem mit Gedichten und einem Speed Dating im Offenbacher Buchladen am Markt auf Georgien ein. http://www.buchladenammarkt.de Je zwei der Gedichte der georgischen Dichter des genannten Lyrikbandes rezitierten wir bei der Lyriknacht. Und das sind sehr eindrucksvolle Poeme aus einem Land, das dramatischen politischen Veränderungen ausgesetzt war und ist. Es geht darin aber nicht nur um Politik. Vielmehr geht es um den Alltag, um Facebook und um Liebe, um Dichterinnen, die ihren Haushalt bewältigen müssen, um Herz und Blut und alles, was die Menschen bewegt. Es war eine Ehre, diese Gedichte in ihrer deutschen Fassung zu lesen und es war ein Virus, denn alle bekamen wir kurz vor der Veranstaltung noch eine Erkältung. Aber nicht nur das: Ich und meine beiden Kolleginnen bekamen auch große Lust auf Georgiens zeitgenössische Literatur und auf dieses faszinierende Land. „Tiflis on my mind“ heißt eine Ausstellung im Klingspor Museum und ich kann mich dem nur anschließen. 

Seit dieser Buchmesse will ich noch ganz viel lesen von georgischen Autoren und ja, ich will nach Tifls und diese Stadt sehen. Und so werden in den nächsten Wochen noch einige Buchbesprechungen von Lyrik, Erzählungen und Romanen kommen. Ich selbst bin auch schon inspiriert worden und habe ein Gedicht geschrieben, in dem die Chinkali, die leckeren Teigtaschen eine Rolle spielen. Das plane ich aber in einen Lyrikband ein, an dem ich immer mal weiter dichte, wenn mich etwas infiziert.




Dienstag, 25. September 2018

Ohrenschmaus mit Gänsehaut von Patrik Bishay und David Ambrose im Convention Center Messe

Der erste Herbststurm mit viel Wind und Regen erwischte mich, als ich den Eingang des Convention Center der Messe Offenbach suchte - der liegt nämlich etwas versteckt zwischen Capitol und Messe im Hinterhof. Als ich die Tür erreichte, war ich frisch geduscht - zum zweiten Mal an diesem Tag. Ich trage selten Funktionskleidung und schon gar nicht, wenn ich zu einem Konzert oder einem Live-Hörspiel gehe - und das war der Anlass: Das Live-Hörspiel EX nach dem Roman von David Ambrose und der Komposition von Patrik Bishay. Alle Damen, die es erwischt hatte, fanden sich kurz nach der Ankunft in der Toilette wieder, um sich notdürftig mit Papierhandtüchern ein wenig zu trocknen. Den Wet-Look, den mein Haar aufwies, werde ich so nie mehr hinbekommen. Mein leichter Wollmantel war so nass geworden, dass er ausgebreitet auf den Boden hingelegt werden musste, denn eine Garderobe mit Kleiderbügeln etc. gab es leider nicht. 

Überhaupt hätte man diesem musikalischen Wortereignis einen etwas festlicheren Rahmen gewünscht, denn das Convention Center der Messe ist doch sehr nüchtern, zudem stand noch der Laufsteg von der ILM und die Beleuchtung war nicht optimal. Nun gut, alle setzten sich und warteten noch ein Weilchen, bis weitere vom Unwetter überraschte Besucher eingetroffen waren. Meine Füße waren sehr nass, mein Kleid in unteren Teilen auch - und wenn ich nicht gewusst hätte, dass mich bei Patrick Bishay immer ein spannender und toll komponierter Musikgenuss erwartete, weiß ich nicht, ob ich geblieben wäre. Aber ich blieb und sollte es nicht bereuen. Ralph Philipp Ziegler, der mit dem Live-Hörspiel eine neue Reihe startet, hatte es vorausgesagt.

Denn schon als der britische Autor David Ambrose die Fragen von Patrik Bishay beantwortete - und klar wurde, dass er neben seinen spannenden Thrillern, die ich leider nicht kenne, auch noch sehr bekannte Drehbücher und Teile von Star Trek geschrieben hat, versprach der Abend spannend zu werden. Patrik Bishay erzählte, dass er den Roman zum ersten Mal als Jugendlicher in Paris gelesen hätte - und deshalb von der Stadt damals nichts gesehen hätte. Das Buch hat ihn seither begleitet und er wollte mit dem Stoff immer etwas machen, vielleicht eine Oper, aber er konnte damals keinen Kontakt zu David Ambrose finden. Um so schöner, dass der Autor an dem Abend der Uraufführung in Offenbach sein konnte. 

Diese war dann tatsächlich vom ersten Satz an der allesamt hervorragenden SprecherInnen sehr spannend - man kann sagen, die Zuhörer hielten den Atem an, um nur alles mitzubekommen. Zusätzlich zu Musikern des Capitol Symphonie Orchesters und den sieben Sprechern, untermalte eine interessante Filmcollage, die einzelne Personen und Orte oder Gegenstände der Handlung einspielte, das Geschehen. Dabei wurde der sogenannte Bleach-Bypass-Effekt verwendet, bei dem der Vorgang des Bleichens bei der Farbfilmentwicklung teilweise oder komplett ausgelassen wird. Wer den Kinohit "Seven" damals gesehen hat, weiß um die Wirkung. Da werden symbolhaft Namen und Dinge eingeblendet, in einer Art Superacht-Manier, die durch leichtes Verwackeln und andere Effekte, das Unheimliche der Handlung, die sich mit Phänomenen des Übernatürlichen befasst, unterstreichen. 


 



Die Geschichte geht so: An der Manhattan University plant eine Gruppe um den Psychologen Sam Towne ein spektakuläres Experiment. Um zu beweisen, dass es sich bei Geistererscheinungen nicht um jenseitige Wesen, sondern um Halluzinationen der sie erlebenden Menschen handelt, bereitet das Team die Erschaffung eines Geists vor. Journalistin Joanna Cross hat zuvor bereits einen Kreis von Spiritisten aufgedeckt und wird deshalb von Ellie Ray mit einem fürchterlichen Fluch belegt. Damit beginnt Joannas Misere: Das Experiment gelingt in der Tat, doch sind die Auswirkungen für die Teilnehmergruppe alles andere als erfreulich, denn der erschaffene Geist „Adam Wyatt“ zeigt so gar keine Bereitschaft, das Experiment enden zu lassen. Viel lieber möchte er, dass seine Erschaffer die   Realität verlassen. Realität und Illusion, Materie und Geist beginnen sich zu durchdringen. 

Den Hörspieltext hat Patrik Bishay in zweijähriger Arbeit von der ersten bis zur letzten Minute durchkomponiert, so dass eine sehr dichte Atmosphäre entsteht und die Zuhörer das Gefühl haben, Teil der Handlung zu werden. Man wird buchstäblich gepackt von den Ereignissen und fiebert mit Joanna und Sam, die ein Liebespaar werden, dem Ende entgegen. Auch die Pause konnte diese Spannung aus Stimmen, Instrumenten und Bildern kaum unterbrechen. Besonders viel hatten die Streicher zu tun, die immer wieder den Spannungsbogen musikalisch aufbauten. Aber auch Flöte, Oboe und Hörner sowie das Cello waren unermüdlich im Einsatz und verschafften den Zuhörern Gänsehaut.  

Die Inszenierung des packenden Mystery-Thrillers ist der Beginn der neuen Hörspiel-Reihe des Amts für Kultur- und Sportmanagement der Stadt Offenbach. Das nächste Spektakel dieser Art soll in der Alten Schlosserei stattfinden. Wer eine schaurig-schöne Ahnung von Patrik Bishays Musik bekommen möchte, geht am besten in das Konzert HalloWeeihnacht der Capitol Classic Lounge. Da wird in verschiedenen Musikstücken die Schattenseite des Festes nährgebracht und Patrik Bishay glänzt mit einer Vertonung von Charles Dickens' Weihnachtsgeschichte. Die Rhein-Main-Vokalisten www.rhein-main-vokalisten.de untermalen mit dem Orchester stimmlich. Dirigieren wird Steven Lloyd Gonzales.   

Mittwoch, 3. Januar 2018

Zwischen den Zeiten im Petit Boudoir und in der Schirn

Dieses Loch in der Zeit - so nannte eine Freundin letztens diese etwas zeitlose Zeit "Zwischen den Jahren". Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber dieses Loch in der Zeit ist für mich eine Zeit der Ideen. Da ist das alte abgeschlossen und das neue hat noch nicht angefangen. Und auch die erste Januarwoche fühlt sich noch so an, als wollte das neue Jahr noch nicht so recht in Schwung kommen. Gut so! 

Letzten Donnerstag nutzte ich dementsprechend für inspirierende Begegnungen und Unternehmungen. Mit einer Freundin traf ich mich in der Kaiserhofstraße 8. Nur zwei Häuser weiter, im Haus Nummer 12 hatte sich Valentin Sänger, der später weltberühmte Schriftsteller wegen seiner jüdischen Herkunft versteckt. Die Kaiserhofstraße scheint also ein Ort für Geheimnisse. Und so eines birgt auch die Hausnummer 8. In ihrer Bel Etage (im ersten Stock) befindet sich das Petit Boudoir http://www.petitboudoir.de/petitboudoir/- eine kleine Welt für sich, wo man Crémant trinkt, die Hände in zarten Spitzen vergräbt und der Welt da draußen für ein, zwei Stunden entkommt. Erika Banks, die Initiatorin und Geschäftsführerin ist eine faszinierende Frau, die einen siebten Sinn für die Sinne hat. 


 

Die eigentliche Wohnung, die man über ein eher nüchternes 60er Jahre Treppenhaus betritt, hat sie zu ihrem Petit Boudoir umgestaltet. Kostbare Tapeten mit Jugendstilmotiven, schwere Samtvorhänge, ein Himmelbett, prächtige Fauteuils und Marmortischlein aus längst vergangen Zeiten bevölkern die drei Zimmer. Wir nippen am prickelnden Vergnügen und probieren kostbare Wäsche. Die Luft ist erfüllt von unserem perlenden Lachen und einer Spannung, die diese besondere Atmosphäre erzeugt. Wir schmieden Pläne für das nächste Jahr und gleiten sehr sanft wieder auf die Straße hinaus in diese Zeit "Zwischen den Jahren", die nicht zu zählen scheint.

Bestens dazu passt eine Verabredung mit meinem Freund in der Schirn zur Ausstellung "Glanz und Elend in der Weimarer Republik". Die Weimarer Republik war auch so eine Zwischenzeit, eine Zeit zwischen den Kriegen und zwischen starken politischen Extremen. Das Petit Boudoir hätte dort gut hineingepasst. Damals, so scheint es mir, gab es viele solcher Orte, an denen die Welten aufeinander prallten, die Welten von Mann und Frau, die Welten von Vernunft und Verführung, von Armut und Reichtum. 

Wieder faszinieren mich besonders die Bilder der Künstlerinnen wie Jeanne Mammen, Elfriede Lohse-Wächter oder Dodo (Dörte Clara Wolff), die sich besonders mit der veränderten Rolle der neuen Frau auseinandersetzen, und die für ihre Szenerien auch Orte auswählen, die den Charme des Abgrunds mit all seinen Versuchungen atmen. Hier werden Frauen gezeigt, die eine wilde Nacht vor oder hinter sich haben, die sich vergnügen mit selbst verdientem Geld oder ergaunertem Luxus. Dabei sind sie nicht immer schön. Die Ambivalenz der Gefühle zwischen Anziehung und Widerwillen, zwischen Schönheit und Hässlichkeit, zwischen Glanz und Elend, die in den Bildern gezeigt wird, spiegelt auch die Extreme einer Zeit, die wie es im Grußwort des sehr guten Katalogs zur Ausstellung heißt "...mehr als jede andere (Epoche) Bezüge zu unserer heutigen Situation aufweist." (S. 5) 


 

Wahrscheinlich ist die Ausstellung deshalb ebenso berührend wie faszinierend, denn die Besucher waren durchaus zahlreich an diesem Nachmittag - und durchaus jünger als ich. Und man sollte sie auf keinen Fall versäumen. Danach stürzten wir uns noch in ein weltliches Vergnügen, wie um die Zeit noch ein wenig festzuhalten: ins Café Iimori und verspeisten köstliche Green Matcha Torte, zart wie Seide und ein ganz klein wenig bitter. 



Freitag, 16. Juni 2017

Ich sitze im Caffè Cuore und schreibe über „responsive“ und SEO


Ich sitze in einem hässlich regenbogenbunten Haus auf der Frankfurter Straße, in dem sich das wilde Herz Offenbachs befindet, das Caffè Cuore. Gitarren hängen von der Decke und ein Sammelsurium von Stühlen und Tischen aller Gattungen umrahmt mich. Franco ist hier der Innenarchitekt und er folgt keinem Trend, sondern seiner Intuition – deshalb fühlen sich Menschen aller Nationen hier wohl. Der schöne Daniel aus Kuba mit den langgliedrigen Fingern an der Gitarre und Enzo mit der Rockerstimme oder Diana, die kleine schwarzhaarige Göttin aus Sizilien.

Aber, zur Sache: Alle reden von „responsive“ und ich habe in der letztenZeit ein paar Artikel zu dem Thema verfasst. Das hat mir deutlich vor Augen geführt: Responsive Webdesign ist wichtig für alle, die eine eigene Website betreiben. Denn das bedeutet, dass diese auf allen Endgeräten gut lesbar angezeigt werden und man sie vom Smartphone oder Tablett auch einfach und bequem bedienen kann.

Ich weiß ja, dass meine eigene Homepage nur sehr bedingt responsive ist und habe deshalb mit einem Google-Tool (Search Console) https://search.google.com/test/mobile-friendly?utm_source=mft&utm_medium=redirect&utm_campaign=mft-redirect&hl=de mal die Probe aufs Exempel gemacht – es war schlimmer als ich dachte:

Unbarmherzig stand da:

Die folgenden 3 Probleme sind zu beheben

  • Anklickbare Elemente liegen zu dicht beieinander
  • Darstellungsbereich nicht festgelegt
  • Text ist zu klein zum Lesen

Letzteren Punkt hatte ich selbst schon bemerkt. Laut Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche Bitkom nutzen in diesem Jahr 8 von 10 Deutschen ein Smartphone (54 Millionen Menschen). Mal ganz abgesehen von den anderen Endgeräten. Das bedeutet, dass wir schon heute die meisten Webseiten mobil von unterwegs aus aufrufen. Und ich sehe es ja an mir selbst: Ich sitze im Café oder zu Hause im Höfchen und schon wird mal schnell eine Webseite gegoogelt, zum Beispiel von der Offenbach Post oder von der Käserei L’Abbate oder vom Frankfurter Größenwahn Verlag – ja und da kann man angenehm lesen und anklicken, was einen interessiert. Mal ehrlich, wer geht dafür immer noch an den stationären Rechner – oder wer hat überhaupt noch einen?

An unserer Nutzung wird also deutlich, dass Responsive Webdesign nicht irgendein Trend ist. Studien unterschiedlicher Marktforscher belegen, dass immer mehr Tablets und Smartphones gekauft werden.

Gleichzeitig wird auch der Kampf um die ersten Plätze bei Google immer härter. Webseiten, die täglich mit neuen Inhalten bestückt werden – und häufig aufgerufen werden, erscheinen weiter oben im Ranking. Dazu zählen beispielsweise die Newsseiten der Zeitungen.

Das bedeutet, dass Responsive Webdesign auch Einfluss auf die Suchmaschinenoptimierung hat – genauso wie aussagekräftige Inhalte, die gesucht und gelesen werden, weil sie einen Mehrwert bieten. 

Wenigstens mein Blog ist schon responsive - weil extra und Wordpress.


Dienstag, 13. Juni 2017

Frische Worte aus der Eisfabrik - entschieden im Plank

Neulich im Mai hatte ich so einen Tag in Frankfurt mit vielen Terminen und zwischendurch einer Stunde Atempause. Die verbrachte ich im Plank, weil ich zwischen Bockenheim und Sachsenhausen hin- und hermusste. Das Plank Münchener/Ecke Elbestraße im Bahnhofsviertel gelegen, ist tagsüber nämlich ein sehr nettes Café. Es bietet Ruhe, W-LAN und die besten portugiesischen Törtchen, die man sich vorstellen kann. http://frankfurt-bahnhofsviertel.de/guide/8845/bars-clubs/74065/plank




 

Eigentlich hatte ich andere Themen zu bewältigen, aber ich hatte auch eine Entscheidung zu treffen. Nämlich, ob ich mit meinem Büro umziehen sollte, in ein anderes Domizil. Denn mein Untermieter hatte mir gekündigt und es tat sich an anderer Stelle eine tolle Möglichkeit auf. In einem hübschen hellen Ziegelsteinbau, ruhig gelegen und doch voll im Leben, war eine Etage frei geworden. In der Eisfabrik - die einige vielleicht von den Kunstansichten her kennen, von hochkarätigen Fotoausstellungen rund um René Spalek http://www.eisfabrik.info/eisfabrik/. Die Alternative wäre gewesen, mich zuhause mit meinem Schreibtisch einzurichten. Aber irgendwie wollte er da nicht so recht reinpassen, weder gedanklich noch nach Maß. 

Ich setzte mich also bei verheißungsvollem Blau ins Plank und schrieb Vor- und Nachteile auf. Dann telefonierte ich mit einer wichtigen mir zugetanen Person. Die sagte einen entscheidenden Satz: Ich glaube, dass dieser Umzug Dich größer macht, in Deiner Kreativität. Damit war doch eigentlich alles gesagt. Der Schreibtisch in der Wohnung würde meine Kreativität bestimmt nicht größer machen. 

Außerdem war es mein erster Impuls, als ich die Anzeige auf Facebook gelesen hatte: Dort mein Glück zu versuchen, denn so etwas hatte mir immer vorgeschwebt. Inzwischen ist der Vertrag unterschrieben und erste Messungen sind erfolgt. Ab August gibt es frische Worte aus der Eisfabrik. 

Und was für ein wunderbarer Nebenumstand: In der Eisfabrik wurde Speiseeis fabriziert. Italienisches. Von der Firma Rudella. Romollo Delaidotti war einer der ersten italienischen Einwanderer in Offenbach. Im Café seines Bruders, dem Delaidotti, war ich als Kind noch gewesen und dort wurde meiner Tante ein wertvoller Kamelhaarmantel vertauscht - aber das ist eine andere Geschichte. 

Mittwoch, 22. März 2017

Café Puschkin - oder alles begann in Leipzig

Immer mal wieder werde ich gefragt, ob denn meine Großmutter aus Wien stammte - und sehe dann manchmal enttäuschte Augen, wenn ich das verneine. Meine Großmutter (mütterlicherseits) stammt tatsächlich aus Leipzig. Sie hat dort in eine Kürschnerfamilie eingeheiratet https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Erler und bewohnte ein großes Jugendstilhaus in der Nikolaistraße

Aber wie bist du denn dann auf Wien gekommen?, fragen sie weiter. Tja, mein Buch "Eine ungeplante Reise nach Wien" ist ein Roman - und da ist vieles möglich. Viele Leser scheinen sich zu fragen, wie Fiktion entsteht. Die macht der Kopf beim Schreiben. 

Wie die meisten Autoren habe in meinem Roman autobiografische Details verwendet, denn die kennt man besonders gut, kann daraus anschauliche Bilder entstehen lassen. So gibt es Erinnerungssplitter, die in meinen Schreibfluss kamen, wie beispielsweise das Aussehen meiner Großmutter und ihre Heirat mit einem Pelzfabrikanten, denn dies waren die Mitglieder der Familie Erler und deren Partner in Leipzig. Auch vom Lebenswandel meiner Großmutter, die eine kleine Femme Fatale war, ist einiges eingeflossen - und zwar, weil sie meine Fantasie schon in Kindheitszeiten angeregt und mich inspiriert hat. Meine Großmutter hatte das Zeug zur Romanheldin - das war mir schon früh klar, wenn ich in ihrem Schlafzimmer an den Parfümfläschchen schnupperte (allesamt bekannte Düfte, wie ich erst später lernte) oder ihren Kleiderschrank durchkämmte und mir den Ozelot-Hut aufsetzte (leider weiß ich nicht, wo er geblieben ist). Und sie war 1912 geboren, kurz vor dem Ersten Weltkrieg. 

In der Zwischenkriegszeit und zu Beginn des Zweiten Weltkriegs war sie eine junge Frau mit allen Widersprüchen der Zeit in sich drin. Sie heiratete mit 26 eben jenen Pelzhändler - und erzählte mir später, wie sie sich ihn "geangelt" hatte. Das war nicht der herkömmliche Ton einer Großmutter, soviel war klar - sie war eine illustre und sehr selbständige Frau, die ich bewunderte. Vielleicht hat sie mit ihren Geschichten sogar meinen Erzähltrieb geweckt. 

Ihr Mann, mein Großvater, den ich nie kennengelernt habe, war eine Art Aussteiger und wollte dem Pelzhandel abschwören. Dazu gingen die beiden ins Kleinwalsertal nach Hirschegg, wo sich die Fuchsfarm der Firma befand. Ein Glück für meine Großmutter, die dort oben auf dem Berg wenig mitbekam von Kriegswirren und Gräueltaten. 




Meine Mutter allerdings wurde in Österreich geboren - und so kam irgendwann Wien ins Spiel, weil das ihre Lieblingsstadt war. 

Auch als sie schon in Offenbach am Main wohnte und mit meinem Vater verheiratet war, konnte sie am Telefon, wenn Verwandte anriefen, leicht in den Walser-Dialekt wechseln. Diese süddeutsche Färbung des Deutschen war mir seit Kindertagen vertraut. Meine Mutter hatte also eine Bindung zu Österreich und meine beiden Eltern machten es sich zur Gewohnheit, einmal im Jahr nach Wien zu reisen. So bekam ich von dort allerhand mit - besonders auch die Musik, die mein Vater auf CDs mitbrachte. Ich selbst bin erst relativ spät über die Recherchen zu meiner Magisterarbeit, die sich mit den Autobiografien deutscher Exilschriftstellerinnen befasste zu Recherchen immer wieder nach Wien gekommen. 


Aber Wien hat es mir natürlich gleich angetan, mit seinen Kaffeehäusern und seiner Wertschätzung der Musik und überhaupt der Künste. Aber auch seine Ambivalenz: Die prächtigen Straßen und die kleinen vernachlässigten Gassen. Die Stadt tanzt überschwänglich Wiener Walzer und melancholisch die langsame Version davon. Und schließlich, es ist eine Stadt voller Geschichte und Geschichten - der Stadt Leipzig gar nicht so unähnlich fand ich, als ich Anfang der Neunziger Jahre zum ersten Mal in der Nikolaistraße war und auch das Haus meiner Großmutter zum ersten Mal sah. 

Viele dieser Aspekte sind in meinen Roman eingeflossen und haben sich zu einer ganz eignen Geschichte entwickelt. 

Ich habe mich sehr gefreut, das erste Mal in Leipzig zu lesen, auf der Messe, am Stand des Größenwahn Verlags und abends im schönen Café Puschkin, wo echt die Hütte voll war, so das keiner mehr rein und raus konnte. Besonders bedanken möchte ich mich auch bei meinen Mitleserinnen vom Konkursbuchverlag. Die Texte waren alle super! Und super vorgetragen! 


Das alles hat große Lust gemacht, weiterzuschreiben an der Wiener Geschichte von Judith und Leo...Ich bin gespannt, was noch passiert.