Freitag, 18. November 2011

Im Forum der 1822: Der Kopf als Zettelkasten

Vor ein paar Tagen bin ich mal wieder über den Fluss gefahren. Ins Kunstforum der 1822. Dorthin hatte Eloise Hawser, Städelschülerin bei Tobias Rehberger, und gebürtige Engländerin geladen. 


Die Gegend um die Fahrgasse erinnert mich immer an meine frühen Berufsjahre bei der Degussa AG. Und die Exponate von Eloise Hawser passten irgendwie zu dieser Erinnerung. Es handelt sich dabei um Dinge aus dem Büroalltag, auf kluge Art verfremdet, und zum Kunstwerk erhoben.


Gleich, als ich reinkam zog mich die leuchtend blaue Abdeckung eines Kopierers magisch an. Die alten Kopierer meiner frühen Bürotage hatten tatsächlich solch blaue Deckel. Ich empfand es damals als Segen, dass sie solange zum Kopieren brauchten. Da konnte ich mal ein paar Minuten auf dem dunklen Flur meinen ganz persönlichen Gedanken nachhängen. Und keiner konnte was dagegen sagen. 




Meine Erinnerung wurde noch weiter angeregt von einer jungen Sprecherin aus dem Portikus, die für ihre Einführung auf ein weiteres Kunstwerk, eine bekritzeltes Flipchartblatt, hinwies. Dieses hatte wohl als Inspirationsquelle gedient. Denn es stammt tatsächlich aus einer Anwaltskanzlei, in der Eloise jobbt - und es hatten sich darauf Kollegen mit kleinen Zeichnungen und Sprüchen verewigt. 


Ein Kopierer also. Damit wird Gedankengut vervielfältigt. Unendlichfach. Oft stehen Sachen auf den Papieren, die man eigentlich im Kopf haben sollte, kam es mir in den Sinn. Jedenfalls fügten sich zu der Kopiererabdeckung sehr schlüssig die weiteren Exponate. Besonders schön: Ein Kopf mit abnehmbarer Abdeckung, seitlich offen mit Schubfächern darin. Gerade so, dass man die Papiere dort hineinlegen könnte. Nur ob das nützen würde, diese Ablage? Denn Ablage ist ja meist im Sinne des Wortes tatsächlich "abgelegt". 


Für mich steht dieser Zettelkastenkopf jedenfalls auch für den ganzen Gedankenmüll, den man so tagtäglich in seinem Oberstübchen herumträgt - und der einem manchmal die Sicht auf das Wesentliche versperrt. 


Dieser Gedanke hat irgendwie meine Woche gerettet und dafür danke ich der Künstlerin. Entstanden sind die Kunstwerke übrigens in den Werkstätten der HfG Offenbach, im dortigen 3-D-Zentrum.





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