Donnerstag, 29. November 2018

Wie schreibt man relevante Inhalte für das Internet?

Ich befasse mich den ganzen Tag mit dem Schreiben von Texten und deshalb auch mit dem Thema Relevanz, denn schließlich möchte ich oder meine Kunden, dass diese Texte gelesen werden. Sei es nun im Internet, als Newsletter per E-Mail oder in gedruckter Form.

Es ist aber mitunter nicht einfach, herauszufinden, was überhaupt relevant ist. Also, was die Menschen interessiert, was sie lesen möchten über einer Thema und was sie schließlich mit Hilfe von Google suchen.

Suchmaschinenoptimierung kurz SEO war aus diesem Grund das Thema bei zwei Vorträgen innerhalb einer neuen Veranstaltungsreihe bei der Offenbacher Kreativwirtschafthttps://www.offenbach.de/wirtschaft/kreativwirtschaft/kreativwirtschaft.php Am 13. November ging es darum, Suchmaschinen und Besucher mit Vertrauen gewinnen und am 27. November darum, mit Relevanz Besucher und Suchmaschinen überzeugen. Dazu hatte die Internetagentur four for business  https://www.4fb.de eingeladen, die sich seit 1998 in diesem Bereich spezialisiert hat und in der schönen Heyne-Fabrik in Offenbach am Main logiert. Der Vortragende Christopher Gross ist dort Head of SEM (Search Engine Marketing) und als Informatiker mit zusätzlichem Psychologiestudium weiß er bestens Bescheid über die Suchmechanismen in unseren Köpfen und im Internet. Für mich als Texterin sind diese Vorgänge natürlich ebenso interessant und wichtig. 




Wie man im Internet Vertrauen schafft, darüber möchte ich hier nur wenige Worte verlieren, weil das als seriöse Texterin natürlich mein täglich Brot ist: Vertrauen schafft man über richtige und gute Informationen und nicht mit Fake, irgendwelchen Kniffen oder Worthülsen, bei denen keiner weiß, was eigentlich gemeint ist. Es ist Arbeit, sich mit einem Thema auseinanderzusetzen und gute Informationen bereitzustellen - und wenn die Zeit dazu fehlt, dann engagiert man einen erfahrenen Freelancer. Durch stichhaltige Informationen kann man Expertise im eigenen Thema zeigen - das schafft Vertrauen und am Ende Kunden.

Hier soll es hauptsächlich um Relevanz gehen, um Inhalte, die für Suchmaschinen und Suchende (wie wir alle) relevant sind. Denn das Internet ist voll von Daten und wir möchten die berühmte Stecknadel im Heuhaufen finden. Was aber sind relevante Inhalte? Um diese Frage zu beantworten sollten wir zunächst unser eigenes Suchverhalten beobachten und uns fragen, was wir selbst über ein bestimmtes Thema wissen möchten. Christopher Gross erklärte das sehr anschaulich am Beispiel von Bürotelefonen. Was sind deren Eigenschaften, deren Vorteile? Doch es geht es nicht allein um den Text. Eine eindeutige und passende Bildsprache ist ebenso wichtig, damit sich ein Besucher auf einer Webseite zurechtfindet. Und Bilder füttern natürlich das Verlangen nach Emotion, also den emotionalen Eigenschaften eines Produktes.

Eine wichtige Frage, die sich jeder am Anfang stellen sollte, ist: Wie kann ich dem Suchenden helfen? Die Beantwortung dieser Frage durch relevante Inhalte hilft nicht nur uns Nutzern. Auch Suchmaschinen wollen relevante, personalisierte und vertrauenswürdige Ergebnisse liefern. Sonst nämlich werden sie nicht genutzt und verschwinden von der Bildfläche, wie einige Suchmaschinen der Vergangenheit, die heute keiner mehr kennt. 

Unsere meistgenutzte Suchmaschine ist deshalb so erfolgreich, weil sie immer weiter entwickelt wird. Seit dem Hummingbird-Update kann Google Texte lesen und verstehen - also sollte man sich immer fragen, ob man das, was da auf der eigenen Webseite steht, auch selbst versteht. Dabei ist es auch entscheidend, einen interessanten Text bereitzustellen, der sich durch die Verwendung von Synonymen abwechslungsreich und gut liest. Denn Suchmaschinen mögen es gar nicht, wenn da immer wieder das gleiche Wort steht. Anhand des Inhalts versucht die Suchmaschine dann, eine Seite zu kategorisieren. Mit Hilfe unserer Daten erforscht Google Zielgruppen und fragt sich, was diese wollen, was deren Probleme sind - um ihnen das bestmögliche Ergebnis bereitzustellen. Eine ebenso einfache wie wirkungsvolle Methode, die Christopher Gross empfiehlt und selbst anwendet ist es, sein eigenes Produkt oder die eigene Dienstleistung, verbunden mit dem Standort, zu such und nachzusehen, was Google so ausspuckt. Außerdem gibt es auch einige nützliche Tools, mit denen man prüfen kann, wie relevant die eigenen Inhalten sind: So liefert "Ubersuggest" passende Keyword-Ideen, wenn man ein häufiges Suchwort eingibt. Weitere Hilfswerkzeuge sind Xovi und Sistrix https://seo-marketing.tools/seo-tool-vergleich/xovi-vs-sistrix-kampf-der-seo-tools-aus-deutschland/oder answerthepublic.com. Sie sind entweder kostenlos oder bieten eine zeitweise kostenlose Nutzung an. Hier mein spannendes Ergebnis auf die Frage nach "Text": https://answerthepublic.com/reports/3fb69ea2-e1d9-413d-af5e-b5d11bc5a407

Eine gute Hilfe, um einen relevanten Text zu erstellen, ist der sogenannte Elevator-Pitch, bei dem man in 30 Sekunden die wichtigsten Punkte, die ein Produkt oder Unternehmen ausmachen, aufzählen muss und dabei folgende Fragen beantwortet:

  • Wer ist unser Zielkunde?
  • Was ist sein Problem?
  • Wie heißt unsere Produkt (unsere Dienstleistung)?
  • Was ist der Hauptvorteil?
  • Wer sind unsere Wettbewerber?
  • Was macht unser Produkt oder unsere Dienstleistung einzigartig?
Die Idee für diese Kurzpräsentationen entstand übrigens während einer Fahrt mit dem Aufzug in New York City.

Bei der Beratung und Erstellung für suchmaschinenrelevante Webseiten hilft die 4fb Agentur gerne weiter, auch die beiden Vorträge werden gern zur Verfügung gestellt. Bei der Erstellung von relevanten Texten und Inhalten kann Walter Wortware kompetente Unterstützung bieten. Ansonsten darf man gespannt sein auf die weiteren Vorträge der Kreativwirtschaft Offenbach im nächsten Jahr.

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Frankfurter Buchmesse 2018 – Georgien hat mein Herz mit Poesie infiziert

Diese Infektion fing mit den Vorbereitungen für die 3. Offenbacher Lyriknacht an. Für den Frankfurter Größenwahn Verlag übernahm ich mit zwei Kolleginnen Katharina Eismann und Tamara Labas Teile der Öffentlichkeitsarbeit, die Moderation und Organisation der Veranstaltung im Raum des Kunstvereins Offenbach.

Chinkali, die leckeren Teigtaschen, eine Art Nationalgericht, waren mir auf meiner Reise in die Ukraine im September schon begegnet. Deshalb habe ich mich besonders gefreut, als ich in Frankfurt das georgische Restaurant Old Tiflis entdeckte und auch einen Weinhandel im Internet. Dort holten wir uns die notwendige sinnliche Inspiration zum Thema und erfuhren dabei, dass in Georgien sogar das Dichten nicht ohne das Kochen geht. Das sagt schon der Erzählungsband „Wahrsagen durch Marmelade“ von Diana Anfimiadi, der im Wieser-Verlag erschienen ist. https://www.wieser-verlag.com/buch/wahrsagen-durch-marmelade/

Diana Anfimiadi war auch Gast auf unserer Lyriknacht, neben Eka Kevanishvili, Zaza Bibilashvili, Kato Javakhishvili und Tea Topuria. Neben diesen georgischen Autoren, die allesamt sehr engagiert schreiben und verschiedentlich für ihre Arbeiten ausgezeichnet wurden, waren auch noch vier deutsche Dichter und eben wir vom Größenwahn Verlag unter den Vortragenden. Zu unserer großen Erleichterung und dem Vergnügen der Zuhörerin war die Übersetzerin des Lyrikbands „Gorgiens Herz ist mit Poesie infiziert“ (Größenwahn Verlag 2018) Nana Tchigladze ebenfalls anwesend. Herausgeber ist der bekannte Dichter, Übersetzer und Orientalist Giorgi Lobzhanidze. http://groessenwahn-verlag.de/produkt/georgiens-herz/

Den gesamten September und Oktober stimmten wir uns außerdem mit Gedichten und einem Speed Dating im Offenbacher Buchladen am Markt auf Georgien ein. http://www.buchladenammarkt.de Je zwei der Gedichte der georgischen Dichter des genannten Lyrikbandes rezitierten wir bei der Lyriknacht. Und das sind sehr eindrucksvolle Poeme aus einem Land, das dramatischen politischen Veränderungen ausgesetzt war und ist. Es geht darin aber nicht nur um Politik. Vielmehr geht es um den Alltag, um Facebook und um Liebe, um Dichterinnen, die ihren Haushalt bewältigen müssen, um Herz und Blut und alles, was die Menschen bewegt. Es war eine Ehre, diese Gedichte in ihrer deutschen Fassung zu lesen und es war ein Virus, denn alle bekamen wir kurz vor der Veranstaltung noch eine Erkältung. Aber nicht nur das: Ich und meine beiden Kolleginnen bekamen auch große Lust auf Georgiens zeitgenössische Literatur und auf dieses faszinierende Land. „Tiflis on my mind“ heißt eine Ausstellung im Klingspor Museum und ich kann mich dem nur anschließen. 

Seit dieser Buchmesse will ich noch ganz viel lesen von georgischen Autoren und ja, ich will nach Tifls und diese Stadt sehen. Und so werden in den nächsten Wochen noch einige Buchbesprechungen von Lyrik, Erzählungen und Romanen kommen. Ich selbst bin auch schon inspiriert worden und habe ein Gedicht geschrieben, in dem die Chinkali, die leckeren Teigtaschen eine Rolle spielen. Das plane ich aber in einen Lyrikband ein, an dem ich immer mal weiter dichte, wenn mich etwas infiziert.




Dienstag, 25. September 2018

Ohrenschmaus mit Gänsehaut von Patrik Bishay und David Ambrose im Convention Center Messe

Der erste Herbststurm mit viel Wind und Regen erwischte mich, als ich den Eingang des Convention Center der Messe Offenbach suchte - der liegt nämlich etwas versteckt zwischen Capitol und Messe im Hinterhof. Als ich die Tür erreichte, war ich frisch geduscht - zum zweiten Mal an diesem Tag. Ich trage selten Funktionskleidung und schon gar nicht, wenn ich zu einem Konzert oder einem Live-Hörspiel gehe - und das war der Anlass: Das Live-Hörspiel EX nach dem Roman von David Ambrose und der Komposition von Patrik Bishay. Alle Damen, die es erwischt hatte, fanden sich kurz nach der Ankunft in der Toilette wieder, um sich notdürftig mit Papierhandtüchern ein wenig zu trocknen. Den Wet-Look, den mein Haar aufwies, werde ich so nie mehr hinbekommen. Mein leichter Wollmantel war so nass geworden, dass er ausgebreitet auf den Boden hingelegt werden musste, denn eine Garderobe mit Kleiderbügeln etc. gab es leider nicht. 

Überhaupt hätte man diesem musikalischen Wortereignis einen etwas festlicheren Rahmen gewünscht, denn das Convention Center der Messe ist doch sehr nüchtern, zudem stand noch der Laufsteg von der ILM und die Beleuchtung war nicht optimal. Nun gut, alle setzten sich und warteten noch ein Weilchen, bis weitere vom Unwetter überraschte Besucher eingetroffen waren. Meine Füße waren sehr nass, mein Kleid in unteren Teilen auch - und wenn ich nicht gewusst hätte, dass mich bei Patrick Bishay immer ein spannender und toll komponierter Musikgenuss erwartete, weiß ich nicht, ob ich geblieben wäre. Aber ich blieb und sollte es nicht bereuen. Ralph Philipp Ziegler, der mit dem Live-Hörspiel eine neue Reihe startet, hatte es vorausgesagt.

Denn schon als der britische Autor David Ambrose die Fragen von Patrik Bishay beantwortete - und klar wurde, dass er neben seinen spannenden Thrillern, die ich leider nicht kenne, auch noch sehr bekannte Drehbücher und Teile von Star Trek geschrieben hat, versprach der Abend spannend zu werden. Patrik Bishay erzählte, dass er den Roman zum ersten Mal als Jugendlicher in Paris gelesen hätte - und deshalb von der Stadt damals nichts gesehen hätte. Das Buch hat ihn seither begleitet und er wollte mit dem Stoff immer etwas machen, vielleicht eine Oper, aber er konnte damals keinen Kontakt zu David Ambrose finden. Um so schöner, dass der Autor an dem Abend der Uraufführung in Offenbach sein konnte. 

Diese war dann tatsächlich vom ersten Satz an der allesamt hervorragenden SprecherInnen sehr spannend - man kann sagen, die Zuhörer hielten den Atem an, um nur alles mitzubekommen. Zusätzlich zu Musikern des Capitol Symphonie Orchesters und den sieben Sprechern, untermalte eine interessante Filmcollage, die einzelne Personen und Orte oder Gegenstände der Handlung einspielte, das Geschehen. Dabei wurde der sogenannte Bleach-Bypass-Effekt verwendet, bei dem der Vorgang des Bleichens bei der Farbfilmentwicklung teilweise oder komplett ausgelassen wird. Wer den Kinohit "Seven" damals gesehen hat, weiß um die Wirkung. Da werden symbolhaft Namen und Dinge eingeblendet, in einer Art Superacht-Manier, die durch leichtes Verwackeln und andere Effekte, das Unheimliche der Handlung, die sich mit Phänomenen des Übernatürlichen befasst, unterstreichen. 


 



Die Geschichte geht so: An der Manhattan University plant eine Gruppe um den Psychologen Sam Towne ein spektakuläres Experiment. Um zu beweisen, dass es sich bei Geistererscheinungen nicht um jenseitige Wesen, sondern um Halluzinationen der sie erlebenden Menschen handelt, bereitet das Team die Erschaffung eines Geists vor. Journalistin Joanna Cross hat zuvor bereits einen Kreis von Spiritisten aufgedeckt und wird deshalb von Ellie Ray mit einem fürchterlichen Fluch belegt. Damit beginnt Joannas Misere: Das Experiment gelingt in der Tat, doch sind die Auswirkungen für die Teilnehmergruppe alles andere als erfreulich, denn der erschaffene Geist „Adam Wyatt“ zeigt so gar keine Bereitschaft, das Experiment enden zu lassen. Viel lieber möchte er, dass seine Erschaffer die   Realität verlassen. Realität und Illusion, Materie und Geist beginnen sich zu durchdringen. 

Den Hörspieltext hat Patrik Bishay in zweijähriger Arbeit von der ersten bis zur letzten Minute durchkomponiert, so dass eine sehr dichte Atmosphäre entsteht und die Zuhörer das Gefühl haben, Teil der Handlung zu werden. Man wird buchstäblich gepackt von den Ereignissen und fiebert mit Joanna und Sam, die ein Liebespaar werden, dem Ende entgegen. Auch die Pause konnte diese Spannung aus Stimmen, Instrumenten und Bildern kaum unterbrechen. Besonders viel hatten die Streicher zu tun, die immer wieder den Spannungsbogen musikalisch aufbauten. Aber auch Flöte, Oboe und Hörner sowie das Cello waren unermüdlich im Einsatz und verschafften den Zuhörern Gänsehaut.  

Die Inszenierung des packenden Mystery-Thrillers ist der Beginn der neuen Hörspiel-Reihe des Amts für Kultur- und Sportmanagement der Stadt Offenbach. Das nächste Spektakel dieser Art soll in der Alten Schlosserei stattfinden. Wer eine schaurig-schöne Ahnung von Patrik Bishays Musik bekommen möchte, geht am besten in das Konzert HalloWeeihnacht der Capitol Classic Lounge. Da wird in verschiedenen Musikstücken die Schattenseite des Festes nährgebracht und Patrik Bishay glänzt mit einer Vertonung von Charles Dickens' Weihnachtsgeschichte. Die Rhein-Main-Vokalisten www.rhein-main-vokalisten.de untermalen mit dem Orchester stimmlich. Dirigieren wird Steven Lloyd Gonzales.   

Mittwoch, 3. Januar 2018

Zwischen den Zeiten im Petit Boudoir und in der Schirn

Dieses Loch in der Zeit - so nannte eine Freundin letztens diese etwas zeitlose Zeit "Zwischen den Jahren". Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber dieses Loch in der Zeit ist für mich eine Zeit der Ideen. Da ist das alte abgeschlossen und das neue hat noch nicht angefangen. Und auch die erste Januarwoche fühlt sich noch so an, als wollte das neue Jahr noch nicht so recht in Schwung kommen. Gut so! 

Letzten Donnerstag nutzte ich dementsprechend für inspirierende Begegnungen und Unternehmungen. Mit einer Freundin traf ich mich in der Kaiserhofstraße 8. Nur zwei Häuser weiter, im Haus Nummer 12 hatte sich Valentin Sänger, der später weltberühmte Schriftsteller wegen seiner jüdischen Herkunft versteckt. Die Kaiserhofstraße scheint also ein Ort für Geheimnisse. Und so eines birgt auch die Hausnummer 8. In ihrer Bel Etage (im ersten Stock) befindet sich das Petit Boudoir http://www.petitboudoir.de/petitboudoir/- eine kleine Welt für sich, wo man Crémant trinkt, die Hände in zarten Spitzen vergräbt und der Welt da draußen für ein, zwei Stunden entkommt. Erika Banks, die Initiatorin und Geschäftsführerin ist eine faszinierende Frau, die einen siebten Sinn für die Sinne hat. 


 

Die eigentliche Wohnung, die man über ein eher nüchternes 60er Jahre Treppenhaus betritt, hat sie zu ihrem Petit Boudoir umgestaltet. Kostbare Tapeten mit Jugendstilmotiven, schwere Samtvorhänge, ein Himmelbett, prächtige Fauteuils und Marmortischlein aus längst vergangen Zeiten bevölkern die drei Zimmer. Wir nippen am prickelnden Vergnügen und probieren kostbare Wäsche. Die Luft ist erfüllt von unserem perlenden Lachen und einer Spannung, die diese besondere Atmosphäre erzeugt. Wir schmieden Pläne für das nächste Jahr und gleiten sehr sanft wieder auf die Straße hinaus in diese Zeit "Zwischen den Jahren", die nicht zu zählen scheint.

Bestens dazu passt eine Verabredung mit meinem Freund in der Schirn zur Ausstellung "Glanz und Elend in der Weimarer Republik". Die Weimarer Republik war auch so eine Zwischenzeit, eine Zeit zwischen den Kriegen und zwischen starken politischen Extremen. Das Petit Boudoir hätte dort gut hineingepasst. Damals, so scheint es mir, gab es viele solcher Orte, an denen die Welten aufeinander prallten, die Welten von Mann und Frau, die Welten von Vernunft und Verführung, von Armut und Reichtum. 

Wieder faszinieren mich besonders die Bilder der Künstlerinnen wie Jeanne Mammen, Elfriede Lohse-Wächter oder Dodo (Dörte Clara Wolff), die sich besonders mit der veränderten Rolle der neuen Frau auseinandersetzen, und die für ihre Szenerien auch Orte auswählen, die den Charme des Abgrunds mit all seinen Versuchungen atmen. Hier werden Frauen gezeigt, die eine wilde Nacht vor oder hinter sich haben, die sich vergnügen mit selbst verdientem Geld oder ergaunertem Luxus. Dabei sind sie nicht immer schön. Die Ambivalenz der Gefühle zwischen Anziehung und Widerwillen, zwischen Schönheit und Hässlichkeit, zwischen Glanz und Elend, die in den Bildern gezeigt wird, spiegelt auch die Extreme einer Zeit, die wie es im Grußwort des sehr guten Katalogs zur Ausstellung heißt "...mehr als jede andere (Epoche) Bezüge zu unserer heutigen Situation aufweist." (S. 5) 


 

Wahrscheinlich ist die Ausstellung deshalb ebenso berührend wie faszinierend, denn die Besucher waren durchaus zahlreich an diesem Nachmittag - und durchaus jünger als ich. Und man sollte sie auf keinen Fall versäumen. Danach stürzten wir uns noch in ein weltliches Vergnügen, wie um die Zeit noch ein wenig festzuhalten: ins Café Iimori und verspeisten köstliche Green Matcha Torte, zart wie Seide und ein ganz klein wenig bitter.