Sonntag, 11. August 2013

A good Hock keeps off the doc

Immer, wenn ich an einem schönen Sommer- oder Herbsttag im Rheingau gewesen bin und das ist meistens so zweimal im Jahr, danke ich an diesen schönen Anfang des Romans "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" von Thomas Mann und zwar besonders an jene Zeilen: "Der Rheingau hat mich hervorgebracht, jener begünstigte Landstrich, welcher, gelinde und ohne Schroffheit sowohl in Hinsicht auf die Witterungsverhältnisse wie auf die Bodenbeschaffenheit, reich mit Städten und Ortschaften besetzt und fröhlich bevölkert, wohl zu den lieblichsten der bewohnten Erde gehört." Gerne würde ich das auch von mir sagen können, dem ist nicht so, aber wenigstens ist dieses Fleckchen Erde weniger als eine Stunde Fahrt von Offenbach entfernt.


Diesmal war Hochheim das Ziel und das war eine gute Wahl, weil der Ort nämlich besonders nah und fast vor der Haustür liegt und weil sich dort das Staatsweingut der Stadt Frankfurt befindet, dem ich schon immer mal einen Besuch abstatten wollte. Es ist nicht so, dass ich noch nie in Hochheim gewesen bin, aber das war in frühen Kindertagen und eigentlich war mir der Ort damals sehr klein und etwas langweilig erschienen. Ich wollte diesen Eindruck einfach einmal überprüfen. 




















Um es gleich vorweg zu nehmen, der Ort ist alles andere als langweilig. Er ist sogar sehr malerisch mit dem kleinen spitzhaubigen Kirchlein inmitten der Weinberge. Fast könnte man sich im Elsaß vermuten. Aber warum in die Ferne schweifen...Im Altstadtkern empfingen mich lauschige kleine Gässchen mit weinbewachsenen Fachwerkhäuschen - hübsch und fast pittoresk, aber nicht zu sehr herausgeputzt. Alles wirkt noch irgendwie echt und wie von wirklichen Menschen bewohnt. Ohne, dass ich es eigentlich plante, lief ich immer auf das niedliche Kirchlein zu, das da so schön am Anfang der Weinberge liegt. Es liegt rechts von einem schönen Brückenhaus, welches in einem schönen Rundbogen die Straße freigibt. 



Danach geht es Richtung "Hölle", eine bekannte Weinlage, die ihren Namen übrigens von dem Wort Halde (Hang) ableitet, wie ich auf dem Weg erfuhr. Wie diese "Hölle" aussieht, wollte ich genauer wissen und schlenderte den Weg, der zwischen Weinbergen durchführte, weiter entlang. Ich hatte die Sonne hier unterschätzt und musste mein großes Halstuch als Sonnenschutz zweckentfremden. Weiter ging es nun an den Weinreben verschiedener zum Teil mir bekannter Winzer entlang. Wo es die "Hölle" gibt, ist auch der "Himmel" nicht weit, so der Name eines hiesigen Weingutes. Die sprichwörtliche Lieblichkeit der Landschaft wird hier nur gestört von den startenden Flugzeugen, die ganz in der Nähe abfliegen und dem Firmenlogo der Opelwerke Rüsselsheim - beides weithin sichtbar und etwas desillusionierend. Auf dem Rückweg Richtung Kirchlein wartete aber noch eine überraschend nette kleine Etappe. Ebenfalls inmitten der Weinberge erhebt sich ein bemerkenswerter Gedenkstein mit Zinnen und schönem Wappen, dass einen Löwen und ein Einhorn zeigt. Auf einer Tafel wird erklärt, was es damit für eine Bewandtnis hat: Der Gedenkstein wurde zu Ehren von Queen Victoria aufgestellt, die Hochheim im Jahr 1845 besucht hat. Von diesem Besuch her rührt auch die englische Bezeichnung "Hock" für einen guten Rheinwein aus der Gegend. Das Wörtchen "Hock" war für die englische Zunge einfacher als Hochheim und so etablierte sich diese Bezeichnung zum eigenen (Qualitäts-)Begriff. Jetzt wurde mir endlich auch klar, was die Bezeichnung "The sparkling Hock" bestimmter Sektmarken zu bedeuten hat. An Wissen reicher kam ich nun also nach Hochheim zurück und erfrischte mich zuerst am Kirchhof mit einem Glas Wasser und einem Glas "Hölle" von spritzig, fruchtiger Note. Nur wenige Schritte weiter lockte ein lauschiges Höfchen, wo ich mich stärkte und dazu einen Riesling des Weingutes "Himmel" trank, der ebenfalls sehr zu empfehlen ist. Der krönende Abschluss des Ausfluges kommt aber noch: Bei einem letzten Streifzug durch die Gässchen sah ich mir eines der Häuser, das mit Schiefer verkleidet und am Sims schön bemalt war, genauer an. Auch das schmiedeeiserne Tor war bewundernswert. Aber hinter diesem Tor, etwas nach hinten versetzt, befand sich ein wahres Kleinod von Weingut. Ein herrschaftliches klassizistisches Haus in hellem Gelb, mit großen weißen Fensterläden. Ich schaute sehnsüchtig durch das Tor. Es handelte sich um ein ziemlich traditionsreiches Weinhaus, wie ich an einer Tafel erfuhr. Aber an diesem Sonntag Abend schien es ein wenig verweist. Als ich schließlich mit der Hand gegen das Tor drückte, gab es nach. Es war nicht verschlossen, ich glitt hindurch und wagte mich vorsichtig etwas in Richtung des schönen Herrenhauses. Auf leisen Sohlen schlich ich mich noch etwas weiter heran und plötzlich erschien in einem der langen Fenster eine hochgewachsene ältere Dame. Ob ich etwas Wein kaufen könne, fragte ich und sie wollte erst nicht, sagte, dass heute schließlich Sonntag sei. Aber im Sprechen kam sie schon herunter, stand in der Tür des Herrschaftshauses und kam langsam näher. Nur kartonweise meinte sie und ob ich ihre Weine denn kenne. Ich würde schon einen Karton nehmen, sagte ich und wird landeten in der schönen, ebenfalls traditionsreichen Probierstube. Ich fühlte mich gleich wohl und ein klein wenig Neid oder Wehmut oder beides streifte meine Gedanken. Welchen möchten Sie denn? Der Riesling Classic hat mir gefallen. Oh ja, der ist beliebt, Everybody's Darling sozusagen. Sie gab mir dann aber doch drei Sorten zu probieren und ich entschied mich für den Riesling, der sehr traubig und sommerlich schmeckt und dann noch für die kernig trockene "Hölle". Drei Fläschchen so, drei Fläschchen so, eine würdige kleine Beute von einem kleinen Streifzug in den Rheingau. Ach ja und das Weingut verdient ein paar Entdecker mehr: www.domdechantwerner.com
















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