Freitag, 15. Februar 2013

Der Versuch mit Yoko Ono in Berührung zu kommen - oder was ist Kunst?

Eine Freundin hatte Einladungen für das gestrige Frankfurter Großereignis bekommen und wir trafen uns im Frankfurter Kunstverein, um uns für die Begegnung mit Yoko Ono und ihren Werken zu stärken. Dafür boten sich Beluga Linsen und Kartoffelsalat sowie ein Glas Wein. Wir taten gut daran, denn was da kommen sollte, verlangte uns Einiges an Kraft ab. So einfach ist der Zugang zu Onos Werk nicht.  


Von unserem Platz am Fenster blickten wir immer mal zur Schirn hin. Der im Moment von Bauzäunen umgebene Platz wirkte ruhig, trügerisch ruhig. Viertel vor sieben, begaben wir uns dann, wie alle anderen in die Rotunde. Dort standen wir mit gefühlten tausend  Besuchern und versuchten mit Yoko Ono und ihren Werken in Berührung zu kommen. Ihr gefordertes "get involved" wurde schon hier vor dem Nadelöhr der Eingangstür übererfüllt. Wenn auch vielleicht ohne besondere Absicht und eher aus Platzmangel nahmen die Wartenden die Installation in der Rotunde in Beschlag: Sie saßen auf der grauen Platte, liefen über die aufgeschütteten Kiesel und rüttelten an den weißen Spannseilen, die wie Sonnenstrahlen hinauf wiesen ins Allerheiligste der Schirn, den Innenraum, wo sich auch irgendwo Yoko Ono selbst befinden musste.




Nach den üblichen Reden konnte man jedenfalls von irgendwoher ihre wohlklingende, helle Stimme hören. So klingt also eine Achtzigjährige. Nicht schlecht, dachte ich mir und nahm mir gleich vor, an meiner Stimme ebenfalls zu arbeiten, damit wenigstens diese irgendwann davon zeugen würde, dass auch ich einmal jung gewesen war. 

Nach den Reden drängten wir mit den gefühlten tausend Anderen tapfer zur schmalen Eingangstür. Doch der Wind pfiff erbarmungslos und februareisig durch die Rotunde und drohte uns mit garstigen Folgen, falls wir weiter warten würden. Alle Bemühungen schienen sinnlos und wir entwischten durch ein zugiges Loch nochmals in den Kunstverein. Inzwischen war ein Kollege meiner Freundin zu uns gestoßen und über den schwierigen Zugang zu Yoko Ono und ihrem Werk und bei einem gepflegten "Tannenzäpfle" kamen wir auf Paul Celan seine schwer zugänglichen Gedichte. An den Tischen befanden sich weitere Kunstgestrandete und wir beratschlagten, ob wir nachher noch in die Ausstellung gehen sollten. Irgendwann sahen wir am Fenster einen schwarzen Benz mit getönten Scheiben vorbeifahren. Wir waren uns sicher, darin musste Yoko Ono sein. 

Ihre Abwesenheit schien ein guter Zeitpunkt, um es noch einmal zu versuchen, mit der Ausstellung. Und tatsächlich. Drüben hatten sich die Massen verlaufen. Ungehindert glitten wir durch den blauen Plastikvorhang in Yokos Kunstwelt. Wir kamen vorbei an einem Zimmer, in dem alles halb war und an den Wassergläsern, mit all den berühmten Namen drauf, die auf frappierend einfache Weise bewusst machen, dass wir alle nicht mehr als ein Schluck Wasser sind im Universum. Alle Leute liefen da durch diese teilweise banalen Alltagsgegenstände und fragten sich heimlich, genau wie ich, warum das Kunst ist und während man sich das fragt, kommt man drauf, dass eben diese Frage die Antwort enthält - nämlich sich einfach zu fragen, was Kunst ist und was Kunst für das Leben bedeutet.  Allein für diese Anregung lohnt es sich, in die Ausstellung zu gehen. 
    

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