Dienstag, 5. März 2013

Ein goldener Hahn und frische Canoli

Dieses Blau hatte es geschafft, dass ich von meinem Weg abwich, von meinem üblichen Weg durch die Marien- und Kaiserstraße. Das Blau schimmerte unter der Bahnunterführung durch und ließ das graue Gemäuer strahlen. Warum nicht mal durchs Westend morgens streifen, dachte ich mir. Mal sehen, wie weit die Magnolien sind. Die Tulpenhofstraße hinunter Richtung Geleitsstraße. Wie prächtig die verschnörkelten Dachgesimse leuchteten! Und da, was war das auf dem Turm der Friedenskirche? Eine goldene Figur schimmerte mir da entgegen, die ich noch nie so recht wahrgenommen hatte. Tatsächlich ein Hahn. Aber nicht so ein normaler. Ein schöner Jugendstilhahn mit elegant geschwungenem Federschweif. 




Der zweigeschossige Bau der Friedenskirche wurde 1911 von dem Darmstädter Baumeister Professor Friedrich Pützer entworfen und fügt sich besonders schön in die Villen-Wohnumgebung im Offenbacher Westend ein. 1943 schwer beschädigt wurde sie erst 1952 unter der Leitung der Architekten Collin und Reichard wieder aufgebaut. Heute ist sie der harmonische Mittelpunkt des Westends und mein Richtungsweiser auf dem Weg hinunter in die Stadt. 

Ich ließ den goldglitzernden Hahn hinter mir und lief die Geleitsstraße hinunter, vorbei an schönen Häusern und einer Zweigstelle der HfG in einem roten Klinkerbau. Da erspähte ich hinter einem Zaun noch so ein Relikt aus vergangenen Tagen. Ein dreiteiliges Schild der "Kaiser Friedrich Quelle". Jemand hat es da im Hof aufgestellt. Eigentlich gehört es ins "Haus der Stadtgeschichte".



An der Ecke Luisenstraße fiel mir die kleine Pasticceria neben dem Kolpinghaus ein. http://pasticceria-orchidea.de/ Die war auf jeden Fall noch einen Abstecher wert. Und tatsächlich, sie hatte schon geöffnet. Einige Männer tranken Espresso und am laufenden Meter wurden kleine gebackene Kunstwerke aus der Küche zur Glastheke gebracht. Also wirklich, das ist gemein, mitten in der Fastenzeit! 


Ich musste so ein offenbacherisch-sizilianisches Canoli versuchen - und einen Espresso Lungho dazu. Der Umweg hat sich gelohnt - und glücklicherweise gibt es hier einen Schnell-Durchschlupf zu meinem Büro.


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