Montag, 10. Juni 2013

Wiener Lebensart in Offenbach

Ein Wiener hat in Offenbach Einzug gehalten. Kein gebürtiger zwar, aber einer der zu Offenbach passt. Der Betreiber des "Rosmarin" im Kleinen Biergrund Nummer 11 hat ägyptische Wurzeln. Als Wahl-Wienerin war ich da natürlich neugierig drauf...und muss nach dem ersten Besuch sagen: So eine klitzekleine kleine Wien-Sehnsucht kann man dort stillen.

Das fängt schon bei der freundlichen Verbindlichkeit des Wirtes an, der einen an der Tür empfängt. Die Einrichtung mit braungemusterten Tapeten und goldgerahmtem Spiegel und zwei Bilder rechts und links der Theke - eins vom Interieur des bekannten Café Ritter und das andere ein alter Wiener Stadtplan - machen das Eintauchen in eine wienerische Empfindung leicht. Musik von Mozart tut das Übrige. Eigentlich ist das Rosmarin ein klitzekleines Kaffeehaus im klassischen Sinn, mit allem, was es dort auch gibt vom Wiener Schnitzel bis zur Sachertorte. 

Ich wähle einen Ruccola-Salat mit gebratenen Rindfleischstreifen. Das kommt schnell und ist sehr schön angerichtet auf dem großen rechteckigen Teller. Der Ruccola ist mundgerecht gekürzt, das Dressing ist leicht und lecker, das Fleisch zart. Die freundliche Bedienung und der Wirt fragen immer mal nach und sind neugierig, ob es mir schmeckt. Das ist vielleicht etwas bemüht, aber noch charmant. Nachdem ich fertig bin und einen Espresso bestelle (das nächste Mal probiere ich den Mocca) erhalte ich unaufgefordert eine kleine Portion Kaiserschmarren mit selbst gemachtem Pflaumenmus zum Dessert - die ich widerspruchslos und trotz Glutenunverträglichkeit genüsslich verzehre. Der Espresso ist auch top, schön stark und keine säuerliche Note. 

Während ich das zu mir nehme, frage ich mich, ob der ägyptische Wirt "sein" Wien, wo er wohl lange gelebt und seine Ausbildung gemacht hat, vermisst? Vielleicht pflegt er sein eigenes Heimweh mit diesem kleinen Lokal? Es muss wohl so sein, denke ich mit Blick auf knallgelbe Sonnenschirme und den Ein-Euro-Laden gegenüber. Aber er scheint schon GesinnungsgenossInnen gefunden zu haben, in unserer Stadt - das Lokal ist gut besucht und ich werde beim nächsten Mal Fotos machen.

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