Freitag, 4. Januar 2013

Neues und Altes aus dem Goldpfeilhaus

Das Jahr ist neu und ich sitze an meinem funkelnagelneuen Schreibtisch, in der Kaiserstraße 39. Ein paar weiße Regale mit roten Kisten, ein Holzstuhl, ein Laptop - und es kann losgehen. 


Das Haus hat etwas Inspirierendes - und manchmal kommt von der Kaiserstraße ein Hupen. Fast ein klitzekleines New York Feeling entsteht dann bei mir. Jedenfalls Großstadt. Kein Wunder, das sind hier fast heilige Hallen, im ehemaligen Goldpfeilhaus. Wer mag hier im dritten Stock wohl einmal gesessen haben, im Büro 405? Vielleicht ein Designer feiner Ledertaschen oder ein Vertriebschef, der rege Korrespondenz mit London unterhielt. Damals, als Goldpfeil noch Goldpfeil war.

Vielleicht saß hier auch einfach jemand von der Buchhaltung. Aber die anderen Vorstellungen finde ich natürlich reizvoller. Goldpfeil. Das stand für Qualität und für Luxus. In dem Gebäudekomplex  arbeiteten einst 1.000 Menschen. Als Portefeuillefabrik Ludwig Krumm war das Unternehmen, das der Stadt Offenbach zu Weltrum verhelfen sollte, 1856 in der Kleinen Marktstraße gegründet worden. 

Ab 1930 führte man den Namen „Goldpfeil" und zog in repräsentative Räume, auf die Kaiserstraße - dem damaligen Boulevard Offenbachs. Entwerfender Architekt für das neue Gebäude war Philipp Forster II. Um 1900 herum wurden Fabrikgebäude nicht mehr als einfache Funktionsbauten errichtet, sondern mit repräsentativen Fassaden dem städtischen Baustil angepasst. Der Bau in Eisenbetonkonstruktion ist an der fünfgeschossigen Fassade sandsteinverkleidet und an den Simsen mit schönen geschweiften Giebeln bekrönt. Die flachen Reliefs an den Brüstungen der Obergeschosse sind vom Jugendstil beeinflusst. 




Das Firmengebäude wurde 1944 schwer kriegsbeschädigt und ab 1948 wieder aufgebaut. Das flache Satteldach mit Gauben in jüngerer Zeit durch ein hohes Tonnendach ersetzt, das, obwohl modern, sehr gut zum Stil des Gebäudes passt. 

Die Firma Goldpfeil war hier noch bis 2008 ansässig und jeder kannte einen, der dort arbeitete. Ich beispielsweise habe einmal mit einem Portefeller namens August Kollmer ein Duett gesungen. Ich war 16, er 60 und ein guter Tenor von meiner Statur. Und zu Hause in meinem Schrank habe ich noch eine Handtasche und ein Portemonnaie mit dem goldenen Pfeil darauf.


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