In den letzten Wochen führt mich mein Weg häufiger von der Kaiserstraße in die Domstraße. Kurz bevor man die Berliner überquert, liegt links die Bahnhofsstraße. Sie schein hinter einem Parkdeck in Vergessenheit geraten, obwohl von teils schönen alten Häusern gesäumt, führt sie hier ein Dasein im Verborgenen.
Einst war ich häufiger hier. Aber das ist eine halbe Ewigkeit her. Damals ging man noch "jugoslawisch" essen im hier gelegenen "Dubrovnik". Es war die Zeit der Grillteller und des "lustigen Bosniaken" (so wurde ein Fleischspieß auf der Karte des Restaurants genannt). So eine Bezeichnung würde nach dem Lauf der Geschichte Befremden bei den Gästen hervorrufen.

Heute zwingt mich ein kleines Schaufester etwas weiter vorn zum Stehenbleiben. Da sind sie wieder: Die Barbiepuppen- und Fußballtorten. Solche hatte ich vor ein paar Jahren in der Geleitsstraße bewundert. Damals in einem türkischen Café. Hier, in der Bahnhofstraße, finden sich an der linken Fensterscheibe ein paar griechische Schriftzeichen, an den Auslagen polnische Bezeichnungen und auch der Name über dem Eingang "Café Saumon" verrät mir die Herkunft nicht so recht. Eine Türkin Frau mit Kinderwagen, die mich darum bittet kurz auf ihren Sprössling aufzupassen, verrät mir, dass es hier die besten Kreppel gebe. Ich unterhalte mich mit ihr über Cafés und sie lobt das neue "Mein Lieblingsplatz" in der Frankfurter Straße und die "Etagerie" https://www.facebook.com/Etagerie. Beides sehr liebevoll eingerichtete und geführte Institutionen. Wir verabschieden uns und ich betrete das Café "Saumon". http://www.cafe-saumon.de/

Der Anblick der Kuchentheke lässt mein Herz höher schlagen: Da stehen Käsekuchen, Himbeer- und Bananen-Schoko-Torte auf der rechten Seite. Links gibt es viel selbstgefertigtes Gebäck. Die meisten Bezeichnungen erscheinen mir polnisch. Aber die Inneneinrichtung wirkt mit den bunten Holzmöbeln und weißen Tischdecken, eher mediterran, erinnert mich an ein Café in Istanbul. Ich nehme auf einem der grünen Holzbänkchen, die liebevoll mit weißen Deckchen ausgelegt sind, Platz.
Eine gerade noch junge, schlanke, hellblonde Frau kommt auf mich zu. Sie zählt mir Teesorten auf, darunter auch Bergtee, für den ich mich entscheide. Er kommt in einem kleinen blau emaillierten Kännchen, was ich sehr nett finde im Gegensatz zu manchmal halbvollen Teegläsern, die man anderswo bekommt.
Ich sehe mir die Torten an, wähle "Malinowe Fale" (Himbeer-Schoko) und frage die blonde Frau, wie es kommt, dass sie griechische und polnische Spezialitäten in Kombination anbieten. Sie erklärt, der frühere Betreiber des Café sei Grieche gewesen. Einige Gebäckstücke und der Bergtee waren sehr beliebt. "So haben wir neben den polnischen Torten Bergtee und Baklava beibehalten".
Ich schreibe ein paar Zeilen in mein Notizbuch. Inzwischen herrscht reger Verkehr in der kleinen Konditorei. Ein DHL-Mann türkischer Herkunft kommt herein, liefert sein Paket ab und kauft drei Stücke Bananenkuchen mit Vanille-Pudding und Schokoguss. Er gibt die Klinke zwei jungen Damen in die Hand. Zurechtgemacht und duftend stehen sie vor der Theke. In ihrem Dialog erkenne ich serbokroatische Worte. Sie fragen nach einer Kindertorte für den Geburtstag eines zweijährigen Mädchens. Erstmals kommt der junge Konditor aus der Backstube hervor. Er zeigt einen Schokokuchen, bietet freundlich an, ihn mit rosa Zuckerschrift, Püppchen und Kerzen für das Mädchen zu verzieren. Die Lösung gefällt, der Kuchen wird verwandelt, die Damen verlassen gut gelaunt die Konditorei. Ein Deutscher kommt herein und nimmt einen Quarkkuchen mit Kirschen mit. Draußen kläfft hell sein Hündchen. Der Bergtee schmeckt herrlich. Die zarte Himbeer-Schoko-Torte ist schon weg und ich muss zurück ins Büro.

Draußen blicke ich nochmals am Eingang hoch und entdecke rechts davon ein schwarzes Blechschild. Es scheint alt zu sein und ein Schriftzug ist noch gut zu erkennen: "W. Gölz 1902-1962". Den Namen kenne ich gut. Mein Vater hat mir oft vom Bäcker Gölz erzählt, und dass er in der Bahnhofstraße seine Ausbildung zum Konditor gemacht hat. Papa hat dann später ins Kaufmännische gewechselt, denn mit Konditoreiwaren war es beschwerlich sein Geld zu verdienen.
Und gerade deshalb freut es mich sehr, dass sich in diesem kleinen Laden in der Bahnhofstraße immer noch eine Konditorei befindet, mit offenbar regem Zulauf.

Heute habe ich nach einem Termin bei der Offenbacher IHK trotz guter Vorsätze zum Jahresanfang noch einen kleinen Abstecher über die Straße gemacht.
Das Café-Kinderladen-Geschäft "Mein Lieblingsplatz" http://www.meinlieblingsplatz.com
lockte mit bunt-gemütlichen Sitzgelegenheiten und mit einer Tafel auf der "Wacker's Kaffee" angeboten wird. http://www.wackers-kaffee.de
Eigentlich mache ich gerade eine Kaffeepause, um ein wenig zu entsäuern. Wer aber sagt denn, dass man sich die Entsäuerung nicht mit einem Stück Schokoladenkuchen versüßen darf? Das dachte ich eine Sekunde vor meiner Entscheidung als ich drinnen vor der appetitlichen Glastheke stand. Hier findet sich kein riesiges Buffet, sondern eine sehr überschauliche Auswahl von 2-3 handgefertigten und darum sehr köstlichen Kuchen. Neben dem beliebten Wacker's Kaffee gibt es erlesene Tee-Spezialitäten im zartgewebten Beutelchen. Da macht es sogar Spaß einmal Tee zu trinken.
Der Tee und die beiden türkisfarbenen Säulen mit einer goldenen Asklepius-Schlange verziert sind vielleicht die einzigen Reminiszenzen, die an die frühere Bestimmung des Ortes, eine etwas betagt Apotheke erinnern.
Ansonsten kann man hier bequem aus dem Angenehmen auf das Nützliche, in Form des blauen IHK-Logos, blicken und diesen trüben Tag in die Dämmerung wechseln lassen. Die samstäglichen Öffnungszeiten sind übrigens bis 17.00 Uhr verlängert worden, so dass man jetzt auch mal einen trüben Samstag hier verbummeln kann.
Gestern habe ich mir die Ausstellung "Géricault - Bilder auf Leben und Tod" angesehen. Vielleicht war das nur so eine kleine Reminiszenz an Professor Klaus Herding, bei dem ich einst in Frankfurt Kunstgeschichte studierte und der unsere Aufmerksamkeit auf die unglaublich plastisch dargestellten, gequälten menschlichen Körper auf dem "Floß der Medusa" lenkte. Um so etwas darzustellen wie die grausamen "Begleiterscheinungen" von menschlichem Leid haben wir ja heute die Fotografie, die digital geworden, auch die unterschiedlichsten Varianten einer Ansicht in Sekundenschnelle bietet.
Aber die einzelnen Körperteile bei Géricault oder die erschreckenden Gesichter offenbaren noch etwas Anderes. Sie drücken auch den menschlichen Schmerz aus, in der Art ihrer Darstellung. Wie Géricault das hinbekommen hat, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Er selbst allerdings durchlebte viele solch schmerzvolle Ereignisse - und diese ließ er einfließen in seine Darstellungen.
Ein stimmungsvoller Ausklang der Ausstellung, der die Zeiten wieder zusammenbringt, kann die Cafébar des Frankfurter Kunstvereins im Steinernen Haus am Römerberg sein www.fkv.de. Sehr schön ist der Blick ins mittelalterliche Kreuzgewölbe von der gemauerten Bank, ganz hinten. Von dort aus blickt man quasi in die Neuzeit, da draußen. Sehr schön und liebevoll auch das Angebot in den heiligen Hallen. Es gibt losen Tee und sehr interessante Limonaden. Da muss ich mich beim nächsten Mal durchprobieren. Es gibt ja noch ein paar Ausstellungen, in diesem Jahr.
Dieses Jahr fällt mir Weihnachten schwer und Winter und diese Wechselzeit zwischen den Jahren. Es ist so trist, dieser Regen und dieses Licht, das keines ist. Da würde ich gern einmal ein paar Wochen entfliehen, in eine andere Zeit. Denn im Moment wird es in Triest wohl auch so ähnlich sein wie hier, jedenfalls anders als an jenen letzten Tagen im August. Da schien alles so leicht. Der große Vorteil allerdings, den Triest bietet, ist, dass es dort noch immer so schöne Schreiborte gibt.
Einer dieser Schreiborte, wo einem die Worte nur so aus der Feder fließen, ist das Caffè Tommaseo http://www.caffetommaseo.com. Woran liegt das wohl, dachte ich mir, als ich so dort drinnen in einer schönen Nische saß. Ich glaube, es ist deshalb so, weil man die Welt um sich herum vollkommen vergessen kann und doch mitten in dieser Welt sitzt. Man hört das Murmeln, die wunderbar gutturale italienische Sprachmelodie, die die Schwere des deutschen Gemüts aus dem Kopf treiben und durch ein leichtes Tänzeln ersetzen.
Eine weitere Beflügelung der Inspiration erfolgt durch den Aperitivo, in der Stunde zwischen Tag und Traum. Man bestellt einen Hugo oder ganz klassisch einen Martini und erhält dazu ein gar nicht so kleines Sortiment an wohlschmeckenden Knabbereien: Grüne Oliven, getrocknete Tomaten, leicht gesalzene Kartoffelchips. Und damit lässt sich wunderbar die Zeit bis zum Abendessen überbrücken oder ein wenig Traurigkeit oder ein wenig Langeweile.
Immer, wenn ich an einem schönen Sommer- oder Herbsttag im Rheingau gewesen bin und das ist meistens so zweimal im Jahr, danke ich an diesen schönen Anfang des Romans "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" von Thomas Mann und zwar besonders an jene Zeilen: "Der Rheingau hat mich hervorgebracht, jener begünstigte Landstrich, welcher, gelinde und ohne Schroffheit sowohl in Hinsicht auf die Witterungsverhältnisse wie auf die Bodenbeschaffenheit, reich mit Städten und Ortschaften besetzt und fröhlich bevölkert, wohl zu den lieblichsten der bewohnten Erde gehört." Gerne würde ich das auch von mir sagen können, dem ist nicht so, aber wenigstens ist dieses Fleckchen Erde weniger als eine Stunde Fahrt von Offenbach entfernt.
Diesmal war Hochheim das Ziel und das war eine gute Wahl, weil der Ort nämlich besonders nah und fast vor der Haustür liegt und weil sich dort das Staatsweingut der Stadt Frankfurt befindet, dem ich schon immer mal einen Besuch abstatten wollte. Es ist nicht so, dass ich noch nie in Hochheim gewesen bin, aber das war in frühen Kindertagen und eigentlich war mir der Ort damals sehr klein und etwas langweilig erschienen. Ich wollte diesen Eindruck einfach einmal überprüfen.

Um es gleich vorweg zu nehmen, der Ort ist alles andere als langweilig. Er ist sogar sehr malerisch mit dem kleinen spitzhaubigen Kirchlein inmitten der Weinberge. Fast könnte man sich im Elsaß vermuten. Aber warum in die Ferne schweifen...Im Altstadtkern empfingen mich lauschige kleine Gässchen mit weinbewachsenen Fachwerkhäuschen - hübsch und fast pittoresk, aber nicht zu sehr herausgeputzt. Alles wirkt noch irgendwie echt und wie von wirklichen Menschen bewohnt. Ohne, dass ich es eigentlich plante, lief ich immer auf das niedliche Kirchlein zu, das da so schön am Anfang der Weinberge liegt. Es liegt rechts von einem schönen Brückenhaus, welches in einem schönen Rundbogen die Straße freigibt.
Danach geht es Richtung "Hölle", eine bekannte Weinlage, die ihren Namen übrigens von dem Wort Halde (Hang) ableitet, wie ich auf dem Weg erfuhr. Wie diese "Hölle" aussieht, wollte ich genauer wissen und schlenderte den Weg, der zwischen Weinbergen durchführte, weiter entlang. Ich hatte die Sonne hier unterschätzt und musste mein großes Halstuch als Sonnenschutz zweckentfremden. Weiter ging es nun an den Weinreben verschiedener zum Teil mir bekannter Winzer entlang. Wo es die "Hölle" gibt, ist auch der "Himmel" nicht weit, so der Name eines hiesigen Weingutes. Die sprichwörtliche Lieblichkeit der Landschaft wird hier nur gestört von den startenden Flugzeugen, die ganz in der Nähe abfliegen und dem Firmenlogo der Opelwerke Rüsselsheim - beides weithin sichtbar und etwas desillusionierend. Auf dem Rückweg Richtung Kirchlein wartete aber noch eine überraschend nette kleine Etappe. Ebenfalls inmitten der Weinberge erhebt sich ein bemerkenswerter Gedenkstein mit Zinnen und schönem Wappen, dass einen Löwen und ein Einhorn zeigt. Auf einer Tafel wird erklärt, was es damit für eine Bewandtnis hat: Der Gedenkstein wurde zu Ehren von Queen Victoria aufgestellt, die Hochheim im Jahr 1845 besucht hat. Von diesem Besuch her rührt auch die englische Bezeichnung "Hock" für einen guten Rheinwein aus der Gegend. Das Wörtchen "Hock" war für die englische Zunge einfacher als Hochheim und so etablierte sich diese Bezeichnung zum eigenen (Qualitäts-)Begriff. Jetzt wurde mir endlich auch klar, was die Bezeichnung "The sparkling Hock" bestimmter Sektmarken zu bedeuten hat. 
An Wissen reicher kam ich nun also nach Hochheim zurück und erfrischte mich zuerst am Kirchhof mit einem Glas Wasser und einem Glas "Hölle" von spritzig, fruchtiger Note. Nur wenige Schritte weiter lockte ein lauschiges Höfchen, wo ich mich stärkte und dazu einen Riesling des Weingutes "Himmel" trank, der ebenfalls sehr zu empfehlen ist. Der krönende Abschluss des Ausfluges kommt aber noch: Bei einem letzten Streifzug durch die Gässchen sah ich mir eines der Häuser, das mit Schiefer verkleidet und am Sims schön bemalt war, genauer an. Auch das schmiedeeiserne Tor war bewundernswert. Aber hinter diesem Tor, etwas nach hinten versetzt, befand sich ein wahres Kleinod von Weingut. Ein herrschaftliches klassizistisches Haus in hellem Gelb, mit großen weißen Fensterläden. Ich schaute sehnsüchtig durch das Tor. Es handelte sich um ein ziemlich traditionsreiches Weinhaus, wie ich an einer Tafel erfuhr. Aber an diesem Sonntag Abend schien es ein wenig verweist. Als ich schließlich mit der Hand gegen das Tor drückte, gab es nach. Es war nicht verschlossen, ich glitt hindurch und wagte mich vorsichtig etwas in Richtung des schönen Herrenhauses. Auf leisen Sohlen schlich ich mich noch etwas weiter heran und plötzlich erschien in einem der langen Fenster eine hochgewachsene ältere Dame.
Ob ich etwas Wein kaufen könne, fragte ich und sie wollte erst nicht, sagte, dass heute schließlich Sonntag sei. Aber im Sprechen kam sie schon herunter, stand in der Tür des Herrschaftshauses und kam langsam näher. Nur kartonweise meinte sie und ob ich ihre Weine denn kenne. Ich würde schon einen Karton nehmen, sagte ich und wird landeten in der schönen, ebenfalls traditionsreichen Probierstube. Ich fühlte mich gleich wohl und ein klein wenig Neid oder Wehmut oder beides streifte meine Gedanken. Welchen möchten Sie denn? Der Riesling Classic hat mir gefallen. Oh ja, der ist beliebt, Everybody's Darling sozusagen. Sie gab mir dann aber doch drei Sorten zu probieren und ich entschied mich für den Riesling, der sehr traubig und sommerlich schmeckt und dann noch für die kernig trockene "Hölle". Drei Fläschchen so, drei Fläschchen so, eine würdige kleine Beute von einem kleinen Streifzug in den Rheingau. Ach ja und das Weingut verdient ein paar Entdecker mehr: www.domdechantwerner.com
Am 27. Juli war vielleicht der heißeste Tag dieses Sommers, auf jeden Fall aber der heißeste Tag des Julis 2013. Gleichzeitig war es der Tag einer kleinen Premiere. Denn es war eine Lesung geplant aus meinem Stadtführer "Offenbach zu Fuß" mit anschließender kleiner Führung auf Goethes und Lilis Spuren durch die klassischste Ecke Offenbachs mit einem Ausklang im Gemeindehaus der französisch-reformierten Kirche. Ich habe mich sehr über diese Möglichkeit gefreut, denn ich war selbst noch nie in diesem Haus in der Herrnstraße 66, was 1775 als Vermächtnis der Pfarrerswitwe Anna Maria Romagnac in den Besitz der französisch-reformierten Gemeinde gelangte. Es ist das älteste noch erhaltene Haus hugenottischer Bauweise in Offenbach.

Um so schöner, dass wir gestern die Gelegenheit hatten, es einmal von innen zu betrachten. Mit mir waren knapp 40 Teilnehmer, die tapfer mit mir die kleine Tour die Herrnstraße entlang Richtung Main, dann ein Stück am Main entlang, nach links über Speyerstraße und Linsenberg und durch den Büsingpark gewandert waren. Wobei viele leicht nostalgisch, aber den Temperaturen durchaus angemessen mit Strohhut und Fächer gewappnet dem gleißenden Licht würdig trotzten. So waren auch unsere kleinen Pausen unter Bäumen, wo ich ein paar Gedichte von Goethe an und über Lili gelesen habe, dazu angetan unsere kleine Zeitreise perfekt zu machen.
So ähnlich wie der Salon des Pfarrhauses der französisch reformierten Gemeinde mag es nebenan im Hause André, Herrnstraße 54, wo Goethe und Lili ein und ausgingen auch ausgesehen haben. Der schöne eingebaute Eckschrank stammt wohl noch aus der Zeit. Es war eine Freunde, den Raum nun so fröhlich bevölkert und die Offenbacher und interessierte Besucher sozusagen in ihrer eigenen Stadtgeschichte sitzen zu sehen. Alle tranken Kaffee, aßen den guten Blechkuchen von Bäcker Beck und schnatterten durcheinander, so ähnlich wie bei Gesellschaften früher eben auch geschnattert wurde.
Zur Erinnerung möchte ich hier noch einmal das Gedicht Lili's Park von Goethe, das gestern besonders auch den Herren sehr gefallen hat, zitieren. Zumal ich es gestern der Hitze wegen nur in einer ziemlich gekürzten Version zum Besten geben konnte. Hier können es sich alle nochmals in voller Länge auf der Zunge zergehen lassen:
Lili's Park
Ist doch keine Menagerie
So bunt als meiner Lili ihre!
Sie hat darin die wunderbarsten Tiere
Und kriegt sie 'rein, weiß selbst nicht wie.
O wie sie hüpfen, laufen, trappeln,
Mit abgestumpften Flügeln zappeln,
Die armen Prinzen allzumal,
In nie gelöschter Liebesqual!
"Wie hieß die Fee? Lili?" - Fragt nicht nach ihr!
Kennt ihr sie nicht, so danket Gott dafür.
Welch ein Geräusch, welch ein Gegacker,
Wenn sie sich in die Türe stellt
Und in der Hand das Futterkörbchen hält!
Welch ein Gequiek, welch ein Gequacker!
Alle Bäume, alle Büsche
Scheinen lebendig zu werden:
So stürzen sich ganze Herden
Zu ihren Füßen; sogar im Bassin die Fische
Patschen ungeduldig mit den Köpfen heraus.
Und sie streut dann das Futter aus
Mit einem Blick - Götter zu entzücken,
Geschweige die Bestien. Da geht's an ein Picken,
An ein Schlürfen, an ein Hacken;
Sie stürzen einander über die Nacken,
Schieben sich, drängen sich, reißen sich,
Jagen sich, ängsten sich, beißen sich -
Und das all um ein Stückchen Brot,
Das, trocken, aus den schönen Händen schmeckt,
Als hätt' es in Ambrosia gesteckt.
Aber der Blick auch! der Ton,
Wenn sie ruft: "Pipi! Pipi!",
Zöge den Adler Jupiters vom Thron;
Der Venus Taubenpaar,
Ja der eitle Pfau sogar,
Ich schwöre, sie kämen,
Wenn sie den Ton von weitem nur vernähmen.
Denn so hat sie aus des Waldes Nacht
Einen Bären, ungeleckt und ungezogen,
Unter ihren Beschluß herein betrogen,
Unter die zahme Kompanie gebracht
Und mit den andern zahm gemacht:
Bis auf einen gewissen Punkt, versteht sich!
Wie schön und ach! wie gut
Schien sie zu sein! Ich hätte mein Blut
Gegeben, um ihre Blumen zu begießen.
"Ihr sagtet: ich! Wie? Wer?"
Gut denn, ihr Herrn, gradaus: Ich bin der Bär;
In einem Filetschurz gefangen,
An einem Seidenfaden ihr zu Füßen.
Doch wie das alles zugegangen,
Erzähl' ich euch zur andern Zeit;
Dazu bin ich zu wütig heut.
Denn ha! steh' ich so an der Ecke
Und hör' von weitem das Geschnatter,
Seh' das Geflitter, das Geflatter,
Kehr' ich mich um
Und brumm',
Und renne rückwärts eine Strecke,
Und seh' mich um
Und brumm',
Und laufe wieder eine Strecke,
Und kehr doch endlich wieder um.
Dann fängt's auf einmal an zu rasen,
Ein mächt'ger Geist schnaubt aus der Nasen,
Es wildzt die innere Natur.
Was, du ein Tor, ein Häschen nur!
So ein Pipi! Eichhörnchen, Nuß zu knacken;
Ich sträube meinen borst'gen Nacken,
Zu dienen ungewöhnt.
Ein jedes aufgestutzte Bäumchen höhnt
Mich an! Ich flieh vom Bowlinggreen,
Vom niedlich glatt gemähten Grase;
Der Buchsbaum zieht mir eine Nase,
Ich flieh ins dunkelste Gebüsche hin,
Durchs Gehege zu dringen,
Über die Planken zu springen!
Mir versagt Klettern und Sprung,
Ein Zauber bleit mich nieder,
Ein Zauber häkelt mich wider,
Ich arbeite mich ab, und bin ich matt genung,
Dann lieg' ich an gekünstelten Kaskaden
Und kau' und wein' und wälze halb mich tot,
Und ach! es hören meine Not
Nur porzellanene Oreaden.
Auf einmal! Ach, es dringt
Ein seliges Gefühl durch alle meine Glieder!
Sie ist's, die dort in ihrer Laube singt!
Ich höre die liebe, liebe Stimme wieder,
Die ganze Luft ist warm, ist blütevoll.
Ach, singt sie wohl, daß ich sie hören soll?
Ich dringe zu, tret alle Sträuche nieder,
Die Büsche fliehn, die Bäume weichen mir,
Und so - zu ihren Füßen liegt das Tier.
Sie sieht es an: "Ein Ungeheuer! doch drollig!
Für einen Bären zu mild,
Für einen Pudel zu wild,
So zottig, täpsig, knollig!"
Sie streicht ihm mit dem Füßchen übern Rücken;
Er denkt im Paradiese zu sein.
Wie ihn alle sieben Sinne jücken!
Und sie - sieht ganz gelassen drein.
Ich küß' ihre Schuhe, kau an den Sohlen,
So sittig, als ein Bär nur mag;
Ganz sachte heb ich mich und schwinge mich
verstohlen
Leis an ihr Knie - am günst'gen Tag
Läßt sie's geschehn und kraut mir um die Ohren
Und patscht mich mit mutwillig derbem Schlag;
Ich knurr', in Wonne neu geboren;
Dann fordert sie mit süßem, eitlem Spotte:
"Allons tout doux! eh la menotte!
Et faites serviteur
Comme un joli seigneur."
So treibt sie's fort mit Spiel und Lachen!
Es hofft der oft betrogne Tor;
Doch will er sich ein bißchen unnütz machen,
Hält sie ihn kurz als wie zuvor.
Doch hat sie auch ein Fläschchen Balsamfeuers,
Dem keiner Erde Honig gleicht,
Wovon sie wohl einmal, von Lieb' und Treu' erweicht,
Um die verlechzten Lippen ihres Ungeheuers
Ein Tröpfchen mit der Fingerspitze streicht
Und wieder flieht und mich mir überläßt,
Und ich dann, losgebunden, fest
Gebannt bin, immer nach ihr ziehe,
Sie suche, schaudre, wieder fliehe -
So läßt sie den zerstörten Armen gehn,
Ist seiner Lust, ist seinen Schmerzen still;
Ha! manchmal läßt sie mir die Tür' halb offen stehn,
Seitblickt mich spottend an, ob ich nicht fliehen will.
Und ich! - Götter, ist's in euren Händen,
Dieses dumpfe Zauberwerk zu enden,
Wie dank ich, wenn ihr mir die Freiheit schafft!
Doch sendet ihr mir keine Hülfe nieder -
Nicht ganz umsonst reck ich so meine Glieder:
Ich fühl's! Ich schwör's! Noch hab ich Kraft!
Am ersten Mai ging es ja wieder los, im Hafen 2 http://www.rotari.de/1-0-Programm.html?show=categories und ich war auch aus Neugier dort. Wie jeder aber weiß, war der Mai gar nicht wonnig vom Wetter her und so war der letzte Sonntag ein viel schönerer Tag für das neue Gelände und fast wie Urlaub. Das fanden auch 6 (sechs in Worten) Frankfurter, genauer Bornheimer, die extra mit dem Rad gekommen waren, um den "neuen" Hafen zu bestaunen und mit denen ich mich dort getroffen habe.
Es ist interessant und schön zugleich, dass das neue Gelände und ebenso die Räumlichkeiten tatsächlich die Aura der früheren Örtlichkeit flussabwärts mitgenommen haben. Sowas gelingt ja fast nie. Aber alle meine Freundinnen aus Bornheim und deren Lebensabschnittsmänner, die den Hafen 2 vorher kannten, fanden: Das Experiment ist gelungen. Natürlich, es muss noch etwas grüner werden und weniger baustellenmäßig. Aber insgesamt kann man dort schon sehr angenehm einen Sommersonntag verbringen.

Am Eingang des Geländes macht das künstlerische Holzgerüst auf der Wiese gleich mal klar, dass das hier ein Ort von OFF-Kunst/Kultur/Kaffee ist - erinnert mich an die Einrichtung der Pop-up Restaurant von Tobias Rehberger auf der anderen Mainseite. Danach fällt der Blick auf den Eingang des Cafés bzw. der Halle. Der Komplex mit der luftigen Glaswand lässt Assoziationen zu Werkshallen aufkommen und knüpft so an die alten Gebäude des Lokschuppens an, ohne jedoch etwas nachzuahmen. Für die Verbindung sorgen außerdem die beiden Zirkuswagen und die Bestuhlung des alten Hafencafés.
Tolle Neuerung in der Bewirtung ist superleckeres Bio-Eis von Das Eis. Ich probierte einen Traum von fruchtigem Himbeere-Sorbet (Himmlisch Himbeer)http://www.daseis.eu/articles.php?wid=3&news=6. Tja und der Espresso ist wieder unerreicht gut. Das liegt wohl auch an der tollen Maschine, für die der Betreiber wie ich hörte, ein Faible hat. Das Ende vom Lied war, dass wir stundenlang auf den Biergarnituren in der Sonne verharrten bei Rhabarberschorle, Kaffee, Eis, Pommer Frites...Rhabarberschorle, Kaffee, Eis, Pommes Frites...und uns köstlich amüsierten beim Blick auf das Publikum des nahen Kinka-Beach.
Und das beste ist: Der neue Hafen 2 liegt in der direkten Achse zu meiner Wohnung, einfach immer geradeaus.