Dienstag, 11. September 2012

Elfter September Siebzehnuhrvierunddreißig

Heute Morgen war der Himmel schwer. Ich ließ mich aber trotzdem nicht abhalten, meine kleine Runde zu drehen. Übrigens andere auch nicht, wie ich feststellen konnte. Auf einer Bank vor dem großen Brunnen saß der Mann, der dort jeden Tag sitzt. Er trägt eine Vollglatze und ähnelt Yul Brynner, falls der noch ein Begriff ist. Er nimmt auf dieser Bank seinen morgendlichen Kaffee ein - und das, obwohl er in der Nähe zu wohnen scheint. Vielleicht hat er keinen Spaß daran, seinen Kaffee allein zu Hause zu trinken und genießt ihn lieber in der Gesellschaft von Enten und Moorhühnern - und mir. Wir haben jedenfalls vor kurzem angefangen, uns zu grüßen.

Auf der Rückrunde, gegenüber von Yul Brynner, der immer noch Kaffee trank, schien jemand wieder eigens für mich etwas Bemerkenswertes platziert zu haben: Eine bunte Decke lag ohne  zugehörige Eigentümer ausgebreitet auf der Wiese am Teich. Hatten nächtliche Nutzer diese Decke einfach vergessen, weil sie mit anderen Dingen beschäftigt waren? Wurden sie überrascht und mussten schnell fliehen? Auch diese Decke könnte eine Geschichte erzählen, so wie jedes Ding im Grunde, wenn es die Worte dafür fände, dachte ich so vor mich hin, als ich meine Schritte unter dem Tunnel durch nach rechts Richtung Garten lenkte.


Dort hatten zwei Männer gerade eine städtische Informationstafel aufgestellt, die meine Neugier weckte. Was sollte denn hier für eine Sehenswürdigkeit sein, fragte mich mich beim Nähertreten und musste doch lächeln, als ich ein Goethezitat entdeckte, das auf die Waldroute hinwies und so trefflich zu meinen morgendlichen Rundgängen passte: "Ich ging im Walde so vor mich hin, und nichts zu suchen, das war mein Sinn." Man findet immer etwas, besonders, wenn man nichts sucht, antwortete ich Johann Wolfgang im Geiste.

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