Donnerstag, 9. August 2012

Neunter August Zehnuhrfünf

Es herrscht leichter Niesel bei verhangenem Himmel auf meinem Weg in den Park. Ich überlege kurz, ob ich das sizilianische Regencape holen soll, aber dafür ist es zu wenig. 

Am Parkeingang neben der Wiese mit den wilden Löwenmäulchen, die bis auf die Straße wachsen, überholt mich eine Frau mit bunter Tasche. Sie lacht mir aufmunternd zu. "Genau die richtige Luft", sagt sie mit einem Nicken zu meinen Stöcken hin. Wenn sie meint, denke ich. Könnte schöner sein, aber das schöne Wetter ist ja schon seit Tagen auf dem Weg zu uns. 

Am Schutzgitter vor dem Teich sehe ich einen kleinen braunweißen Beagle im Gebüsch, der mir bekannt vorkommt. Das ist doch Chira, denke ich und wandere an der Leine entlang mit dem Blick nach oben, um mir den Mensch dazu genauer anzusehen. Schwarze schulterlange Wellen. Und ja, es ist Astrid Merger. Sie ist Modedesignerin mit einem Atelier und einem Modegeschäft in der Stadt. Ich habe einige schöne Sachen von ihr. Wir begrüßen uns und ich denke, dass ich doch nie ohne Schminke aus dem Haus gehen sollte. "Die Chira habe ich gleich erkannt", sage ich. "Ach und mich nicht?", entgegnet Astrid. Wir lachen. Zwei Radfahrer sausen vorbei. Astrid zieht den Hund etwas näher ran. Es folgt ein kleines Gespräch über das meist nicht so gute Verhältnis von Radfahrern zu Hunden und über Weisheitszähne. Denn sie hat gerade so eine unliebsame Zahn-OP hinter sich. "Jetzt noch?", frage ich, weil das bei mir schon fünfzehn Jahre her ist. "Ja, bis jetzt war ich weise", meint sie und wir kichern leise. Ich frage sie, ob sie oft hier ist. "Ja", antwortet sie. "Das ist unser Park." "Meiner auch", antworte ich und finde es interessant, wie viele Leute hier tagtäglich herkommen und den Dreieichpark als ihr kleines ganz eigenes Refugium betrachten. Gar nicht vorzustellen, wenn er nicht da wäre. Wir verabschieden uns und ich setzt meinen Weg weiter fort. 


Am Schlangenbrunnen ist eine Pappel gefällt worden und liegt schon in Stücken da. Ein kleiner Bagger kommt durch die Platanenallee und beginnt die Baumstämme aufzuladen. Ein faszinierendes Schauspiel, dem ich eine Weile zusehe. Währenddessen kommt mir die Frau mit dem großen weißen Hund entgegen. Auf dem Rückweg denke ich darüber nach, wie seltsam es ist, dass man  die Menschen immer an ihren Hunden erkennt.